Auszug von duckhome
Deutschland fest im Griff der Weltwirtschaftskrise
von Jochen Hoff
Axel Wieandt, der Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate, meldet mal wieder weiteren Geldbedarf an. Wieviel er genau braucht, weiß er noch nicht, das weiß er erst nach der Hauptversammlung, wenn die HRE dann komplett dem Staat gehört. Nein, er schämt sich nicht; und sein Institut ist so wichtig, dass es unbedingt gerettet werden muss, um den deutschen Pfandbrief zu retten. Selbst nach dem Wechsel im Vorstand stinkt der Fisch eben immer noch vom Kopf her.
Die Geschäftsreisen in Deutschland gehen zurück. Hotels und Fluglinien klagen über mangelnde Auslastung. Weltweit sieht es ähnlich aus. Die Zeitarbeitsbranche, also die Sklavenvermittler, klagen bereits jetzt über einen Rückgang von bis zu 40 Prozent ihres gemeinen Geschäfts. Da werden wohl in diesem Jahr einige von den Menschenhändlern und Lohndumpern über die Klinge springen müssen, was sicherlich keine schlechte Nachricht ist. Besser wäre allerdings, wenn der Menschenhandel komplett verboten würde.
Eine neue Bürgel-Studie meldet einen Anstieg der Firmeninsolvenzen von knapp 12 Prozent. Im Maschinenbau ist der Auftragseingang im April um 58 Prozent eingebrochen, bezogen auf einen Dreimonatsvergleich betrug der Einbruch 47 Prozent. Das kann der Maschinenbau nicht lange ohne Entlassungen durchhalten.
Karl Weiss kommentiert in einem sehr lesenwerten Artikel den hochgerechneten Jahresrückgang des Bruttoinlandsproduktes um 15,2 Prozent, während die Zeitenwende noch einmal deutlich macht, dass die Deutsche Bank ihre Gewinne nur durch Leverage, also Hebelwirkung erzielt. Es ist schon erschreckend wenn man liest, dass die Deutsche Bank bei einem Eigenkapital von 33.7 Milliarden Euro und einer Bilanzsumme von 2.103 Milliarden Euro einen Hebel von 60 ansetzt und eine Eigenkapitalunterlegung von 1.65 Prozent hat. Diese Art von Geschäft ist brandgefährlich.
Nur am Rande bemerkt sei, dass die Diamantenbranche so ziemlich am Ende ist. Überall auf der Welt werden Minen geschlossen, weil es für die Förderung einfach keine Abnehmer mehr gibt und die Lager voll sind. Da stellt sich die Frage, wann es zu den ersten Pleiten unter den Schleifern und Großhändlern kommt.
Der Dax hat seit März 40 Prozent zugelegt. Immer mehr Anleger beginnen aber, diesem Run zu misstrauen. Die Daten aus der Realwirtschaft stimmen einfach nicht mit der Entwicklung der Börsen zusammen. Natürlich hilft das billige Geld der Notenbank den Börsenkursen weltweit, aber wenn fundamentale Daten nicht beachtet werden, kommt es meist zu herben Rückschlägen.
Tatsächlich ist Deutschland noch lange nicht auf der konjunkturellen Talsohle angekommen. Diesen Punkt sehen immer mehr Fachleute frühestens im Dezember 2010, und die Skeptiker, zu denen sich auch Duckhome zählt, eher im Frühjahr 2012. Natürlich gibt es immer wieder tolle Meldungen von Langzeitindikatoren. Dummerweise haben die Herrschaften, die als Wahrsager solche Prognosen herausgeben, meist auch ein Eigeninteresse. Zur Zeit soll eine Regierung aus CDU/CSU und FDP bei der Bundestagswahl im September geschaffen werden.
Denn nur eine schwarz/gelbe Regierung wird darauf verzichten können, die Schuldigen an der bisherigen Misere strafrechtlich zu verfolgen. Jede andere Koalition birgt die Gefahr, dass die Neoliberalen und die volkswirtschaftlichen Dummschwätzer in den Knast kommen könnten. Alle Aussagen über ein Licht am Ende des Tunnels sind also Lügen, die die Wahlbürger beruhigen sollen.
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