Auszug von duckhome
Kleiner Rundgang durch die Weltwirtschaftskrise
von Jochen Hoff
Der Weltbank-Präsident Robert Zoellick geht davon aus, dass eine Finanzierungslücke von 350 bis 700 Milliarden Dollar für den privaten Sektor weltweit existiere. Das dürfte eine sehr sehr freundliche Untertreibung sein. Aber es will auch kaum einer wirklich wahre Einschätzungen. Gegenüber der realistischen Schätzung von 3.500 bis 5.200 Milliarden Dollar ist Zoellicks Lüge doch viel angenehmer.
Den Dollar allerdings trifft es vermutlich bald noch härter. Die Rating-Agentur Standard & Poor's wird neben dem britischen Pfund auch den Dollar von AAA auf AA abwerten. Weder die USA noch die Briten haben einen Plan, wie sie aus den selbstgestellten Fallen wieder herauskommen sollen. In beiden Ländern wird die Notenpresse angeworfen, um die eigenen Staatsanleihen zu kaufen.
Am härtesten trifft dieses Vorgehen die Chinesen, die, um ihren guten Willen zu betonen, im März noch für knapp 24 Milliarden US-Staatsanleihen kauften und mittlerweile wohl auf 2.000 Milliarden fragwürdiger Papiere sitzen. Die Chinesen können nicht schlagartig umrubeln, weil sie damit den Dollar so tief in den Keller drücken würden, dass sie den Großteil ihrer Rücklagen verlieren würden.
Sie müssen also vorne freundlich den Dollar stützten, um ihn hinter dem Rücken so schnell wie möglich wieder los zu werden. China kauft alles, was irgendwie werthaltig ist. Hier für 2 Milliarden eine Raffinerie in Singapur, da wie verrückt Rohstoffe – und gibt großzügige Kredit an Länder mit Rohstoffen, wobei die Kredite durch Rohstofflieferungen zu bezahlen sind.
So hat China 3500 Prozent mehr Aluminium gekauft und auch die Käufe in allen anderen Metallen mindestens verdoppelt. China kauft, was es kaufen kann, um so den Dollar schneller loszuwerden, als es ihn einnimmt. Vermutlich wird China den Wettbewerb verlieren. Hat aber dann soviel gerettet wie nur eben möglich war.
In den USA konnten sich Hausverkäufer bis vor kurzem noch durch einen Notverkauf sanieren, weil die Banken meist auf die Resthypothek verzichteten. Dank der Immobilienkrise ist dies nun vorbei, und nach vorsichtigen Berechnungen haben 20 Prozent der US-Hausbesitzer mehr Schulden, als ihr Haus wert ist. Moody's geht zudem davon aus, dass rund 4 Millionen Hausbesitzer bis Ende 2010 noch ihr Haus verkaufen müssen, weil sie die Darlehen nicht mehr bedienen können.
Allerdings könnte sich die Schwemme auf dem Immobilienmarkt bald erledigen. Die Banken, denen der größte Teil der Häuser gehört, machen sich nicht die Mühe, sie zu unterhalten, und lassen die Immobilien verfallen. Vandalismus und die typische amerikanische Bauweise tun das ihrige dazu. Bei einem Teil der Häuser ist nur noch ein Abriss möglich. Das senkt natürlich die Immobilienpreise in der Gegend noch mehr.
Auf einen witzigen Einfall kam die kleine Gemeinde Indio, die sich ein Gesetz gab, nach dem die Banken ihre Häuser pflegen müssen. Geldstrafen bis 25.000 Dollar oder gar die Androhung von Haft für die Bankchefs sind sicherlich ein gutes Werkzeug, werden aber wohl kaum den endgültigen Verfall aufhalten, der dann wenigsten den weiteren Preisverfall abfängt.
Währenddessen operiert die FDIC, der amerikanische Einlagensicherungsfond, schon am Rand der Katastrophe. Anstatt die restlichen Vermögenswerte pleite gegangener Banken ordentlich zu vermarkten, wird alles um jeden Preis verramscht. Es fehlen sowohl Personal als auch Mittel, um die bisher 33 Pleiten in diesem Jahr zu verarbeiten.
Neben dem Spesenrittertum und der wahrscheinlichen Herabstufung auf AA kämpfen die Briten mit einem weiteren Problem. Die Preise für Büroimmobilien sanken um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und dieser Absturz scheint sich noch zu beschleunigen. Es sind sowohl die Toplagen in London wie auch eher idyllische Objekte im ländlichen Bereich gleichermaßen betroffen. Wie in den USA warten viele darauf, dass die ersten Unternehmen zusammenbrechen.
In Dubai geraten die geschlossenen Immobilienfonds ins Trudeln, in der restlichen Welt sind sie eingefroren oder kurz davor zusammenzubrechen. Meist halten nur geschickte Bilanzmanöver diese Anlageformen noch über Wasser. Wieder einmal stellt sich die Frage nach dem deutschen Pfandbrief, aber da wird es wohl vor der Wahl keine Antwort aus dem Hause Steinbrück und der Hypo Real Estate geben.
Die japanische Wirtschaft bricht in der Jahreshochrechnung mit 15,2 Prozent ein, und selbst das wird von der Börse noch positiv bewertet, weil man schlimmeres erwartet hatte. Japan hofft, dass der private Konsum in Japan weiterhin nur moderat zurückgeht. Allerdings lassen um 26 Prozent einbrechende Exporterlöse auch der dortigen Wirtschaft kaum eine andere Wahl als Entlassungen. Die werden sich auf jeden Fall negativ auf den Konsum auswirken und den Abwärtstrend noch verschärfen.
In Deutschland wird zum ersten Mal gegen die Bankster ermittelt. Zwar sind es wohl nur acht Fälle in NRW, aber immerhin geht es um den Verdacht der Untreue beziehungsweise der Beihilfe zur Untreue, um Marktpreismanipulation, unrichtige Darstellung und Betrug. Natürlich besteht für die Bankster kaum eine Gefahr, dass es wirklich zu Strafverfahren oder gar Verurteilungen kommt. Das ist in Deutschland noch nicht möglich. Noch ist man ja ganz erschrocken, wenn überhaupt ermittelt wird.
Es zeigt sich jetzt auch, dass die Hartz-IV-Falle hervorragend funktioniert. Bei den ersten Entlassungswellen mussten zuerst die Neuen gehen. Viele Neue hatten aber in den letzten 24 Monaten nicht mindesten 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, und so rutschten bisher rund 440.000 Arbeitslose – am Arbeitslosengeld vorbei – direkt nach Hartz IV. Sie treffen sich da mit den 40 Prozent aller Alleinerziehenden in Deutschland, die ebenfalls nur mit Hartz IV dahinvegetieren müssen.
Rechnet man die Aufstocker noch dazu, die sowenig verdienen, dass sie zusätzlich Leistungen aus Hartz IV bekommen, dann wird klar, dass der Konsum in Deutschland noch weiter zurückgehen wird, zumal ja auch bald die im vorigen Herbst entlassenen bei Hartz IV landen. Mangelnder Konsum wird weitere Arbeitsplätze und Unternehmen erledigen. Aber die Banken dürften gerettet sein – und das Großkapital ebenfalls.
Wie wenig Eigentum in Deutschland verpflichtet, wird zunehmend bei Schaeffler, Arcandor, Hertie und anderen klar. Man wird wohl noch einmal deutlich über Vergesellschaftung und Zerschlagung von Großkonzernen nachdenken müssen.
Selbstverständlich steigen die Konjunkturerwartungen von ZEW und Ifo. Franz und Sinn sind staatstragend. Wenn Mut gebraucht wird, liefern sie hoffnungsvolle Zukunftsaussichten. Und vor den Wahlen in diesem Jahr muss die Hoffnung genährt werden. Danach geht es wieder darum, mit pessimistischen Aussagen die Löhne und die Hilfen für die Armen zu drücken. Gekaufte Wahrsager eben, die die gewünschte Wahrheit verkünden.
Wer sich die Lage am Aktienmarkt erklären lassen will, der ist bei Bill Bonner bestens bedient. Das ewige Gerede vom Licht am Ende des Tunnel zieht die Anleger in eine typische Bärenfalle. Jeder meint, mit auf einen bullischen Markt setzen zu müssen und lässt dabei jegliche Vorsicht außer Acht. Das wird sich sicher rächen.
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