Auszug von duckhome
Thilo Sarrazins seltsame Geschäfte
von Jochen Hoff
Aus der Tempodrom-Affäre konnte sich der Berliner Finanzsenator ja nur unter Einsatz massivster Mittel herauswinden.
Im Rahmen der Tempodrom-Affäre wurde ihm vorgeworfen, Landesgelder regelwidrig vergeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat im November 2004 Anklage erhoben. Ermittelt wurde gegen ihn, zwei weitere SPD- und zwei CDU-Politiker, drei Unternehmer und zwei Wirtschaftsprüfer. Gegen den ermittelnden Oberstaatsanwalt stellte Sarrazin eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Das Landgericht Berlin hat es im Dezember 2004 abgelehnt, das Hauptverfahren zu eröffnen, was wie ein Freispruch wirkt, da die Anklage als unschlüssig angesehen wurde.
Nachdem seine Frau als Lehrerin an einer Grundschule ohne Rücksprache Kinder eine Klasse zurücksetzt und, statt die Urheberin zu bestrafen, der Schulrat zwangsversetzt wird, scheint es für Sarrazin nun kein Halten mehr zu geben. Nicht nur, dass er Hartz-IV-Empfänger locker verhungern lassen will - er möchte sie auch noch erfrieren lassen. Das ist klar, wenn man weiß, zu welcher Klasse Sarrazin gehört:
Mit 46 Nebentätigkeiten ist Sarrazin (Stand: Juni 2008) das Senatsmitglied mit den meisten Nebentätigkeiten. Er ist unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats der Berliner Verkehrsbetriebe, der Charité, der Investitionsbank Berlin und der Vivantes GmbH.
Er ist ein wirkliches Erfolgsmodell und will sich wohl jetzt mit einem letzten großen Schlag endgültig sanieren.
Trotz des nach wie vor ausgetrockneten Marktes für Immobilienfinanzierungen stellt der Berliner Senat Teile seines milliardenschweren Immobilienbesitzes zum Verkauf. Häuser aus den Skandal-Fonds der Bankgesellschaft sollen bis zum Frühjahr veräußert werden.
Wie aus einer Anzeige hervorgeht, hat die Senatsverwaltung die Investmentbank UBS mit dem Verkauf der BIH Berliner Immobilien Holding beauftragt. Investoren können bis Ende kommender Woche ihr Interesse bekunden. Marktbeobachter schätzen das Volumen der Objekte auf rund 4 bis 5 Mrd. Euro. "Es ist eine ganz bewusste Entscheidung, den Verkauf jetzt anzugehen, es gibt viel Kapital, das solide Anlage sucht", sagte ein Sprecher von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD).
Überall auf der Welt rast der Immobilienmarkt mit Höchstgeschwindigkeit dem Boden entgegen. Aber Thilo Sarrazin will genau zu diesem Zeitpunkt verkaufen. Natürlich sind die Preise schon der Marktlage angepasst und werden sich beim Verkauf noch halbieren. Das ist seltsam. Das ist sogar sehr seltsam. Wenn ich nicht unbedingt verkaufen muss, dann verkaufe ich nicht in der Baisse.
Wer in der Zeit fallender Preise verkauft, braucht entweder dringend Geld oder weiß, das diese Immobilien nicht das Schwarze unter dem Fingernagel wert sind. Das ist allerdings unwahrscheinlich, da das Land Berlin diese Immobilien auf das beste erhalten hat - mit dem Geld des Steuerzahlers. Wenn man jetzt verkauft, spart man sich zwar die weiteren Unterhaltskosten, verliert aber bares Geld.
Selbst wenn die Rezession zehn Jahre dauert, ist das bei guten Immobilien kein Problem. Es muss also andere Gründe geben, warum gerade jetzt verkauft werden soll. Zum einen wird es immer schwieriger für den Regierenden Bürgermeister Wowereit, seinen Kettenhund Sarrazin auch nur unter minimaler Kontrolle zu halten, zum anderen wirkt Berlin mit Sarrazin nicht sexy, sondern bitterböse.
Wenn Wowereit weiter nach oben will, muss er Sarrazin loswerden. Er kann keinen Clement in seiner Nähe gebrauchen. Also wird er Sarrazin wohl in der Mitte der Legislaturperiode über irgend etwas stolpern lassen. Was dann Sarrazin? Außerhalb der Versorgungswelt der politischen Kaste war Sarrazin nur zwei Jahre bei der Deutschen Bahn "beschäftigt", was zu einem tiefgreifenden gegenseitigen Hass führte. Er hat also nie gearbeitet und könnte das vermutlich auch nicht.
Allerdings würde ihn auch niemand mehr beschäftigen wollen. Man weiß nie, was er als nächstes treibt oder von sich gibt. Deshalb muss Sarrazin Vorsorge treffen. Clement sorgte dafür, dass die Zeitarbeitsbranche die Menschen rechtlos bekam und ausnutzen konnte, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Sarrazin macht jetzt zu einem Zeitpunkt, zu dem nirgendwo auf der Welt ein solches Geschäft geht, einen großen Immobiliendeal.
Natürlich ist das alles legitim. Da haben alle eine Chance. Vor allem, da es sehr schnell gehen muss. Bis Ende der Woche werden wohl noch viele potentielle Interessenten kommen. Natürlich könnten bösartige Kräfte vermuten, dass die Einschaltung der UBS nur ein Trick ist und dass der Endkunde sowie der Winzpreis, der am Ende gezahlt wird, schon feststehen. Aber wer wäre denn so bösartig. Es wird auch Zufall sein, wenn Sarrazin am Ende bei genau dem Investor oder aber in dessen Umfeld als Aufsichtsratsmitglied wieder auftaucht.
Aber die Berliner sind das Leiden ja gewohnt. Erst waren es die Helden der CDU, die die Bankenaffäre gestartet haben und sicherlich auch irgendwo persönlichen Nutzen hatten, auch wenn man das nicht beweisen kann. Jetzt ist es Sarrazin der den Rest verramscht. Der Bürger bezahlt. Allerdings wird Wowereit diese Sache politisch auch nicht überleben. Das dürfte Sarrazin allerdings egal sein.
Wenn Wowereit Regierender Bürgermeister bleiben will, dann wird er jetzt agieren müssen. Die Altersvorsorge von Herrn Sarrazin und seiner Frau ist nur bis zur Höhe seiner Pension Sache des Steuerzahlers. Selbst das ist schon zuviel, aber es steht ihm leider zu. Den Rest mag er sich aber bitte nicht auch noch von den Berlinern holen. So einfach es auch erscheint.
Duckhome wird ein Auge auf das Geschäftsgebaren haben und zum richtigen Zeitpunkt zumindest versuchen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Dieses Geschäft stinkt schon in seinen Anfängen.
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