Auszug von duckhome
Ein Rundgang durch die Weltwirtschaftskrise
von Jochen Hoff
Es ist eigentlich egal wo man im Moment losmarschiert, es riecht überall brenzelig. Also beginnen wir mit dem Amerika des strahlenden Wahlsiegers Obama. Da ist nun die Rettung der AIG gescheitert. Die ersten 123 Milliarden Dollar waren ein Tropfen auf den heißen Stein und weil es so schön war und gar so zischte kommen nun im nächsten Schritt weitere 150 Milliarden in das Fass voll Saus und Braus.
Es wird natürlich nichts nützen und beim nächsten mal gibt es dann eben 250 Milliarden Dollar. Die Schieflage der AIG liegt bei über 1.000 Milliarden Dollar. Da nützt es nichts ein paar Anteile zu kaufen und ein paar zusätzliche Papiere aus dem Markt zu nehmen. Aber es reicht um über die nächsten drei Wochen zu kommen. Schöner Schein ohne Inhalt.
In diesem Zusammenhang ist es fast bedeutungslos, dass die Deutsche Post bei der DHL die Reissleine zieht und mit einem harten Schlag rund 15.000 Arbeitlose in den USA schafft. Dem Hörensagen nach sollen es in anderen Ländern und Deutschland noch weitere 10-15.000 Stellen sein.
Dafür aber gibt es scheinbar Pläne ein paar Arbeitsplätze in der Automobilindustrie zu retten. Obama spricht zur Zeit zwar nur von 25 Milliarden, aber wenn GM, wie angekündigt, kurz nach seiner Amtseinführung erklärt, seine Rechnungen nicht mehr zahlen zu können, dann werden es auch 50 oder 100 Milliarden werden. Eigentlich ist es egal. Es sind ja nur Dollar. Elektronische.
Auch in Europa wird ja schon fleißig an einem 40 Milliarden Euro Paket für die leidende Autoindustrie gebastelt, dass deren Versäumnisse bei nicht ölbasierten Antrieben verbessern soll, aber wohl vor allem den Aktionären etwas Freude bescheren wird. Dafür gehen dann auch die Autobanken in Europa unter die jeweiligen Milliardenschirme der Regierungen, weil sie ohne Kredite eben keine Autos verkaufen können.
Das ist logisch. Man gibt der Autoindustrie Geld, das man den Kunden der Autoindustrie stiehlt, damit diese den Kauf von Autos subventionieren kann. Ein Irrsinn ohne gleichen. Es wäre viel besser einen Bruchteil des Geldes für ein sinnvolles Konjunkturprogramm auszugeben, dass den Menschen nützt.
Aber so ein Verfahren ist vermutlich zu einfach. Es kann natürlich auch daran liegen, dass dem Großkapital noch Zeit gegeben werden soll, damit es sich aus der sterbenden Wirtschaft zurückziehen kann. Was aber sollen die armen Reichen mit ihrem Geld noch tun. Egal wohin sie fliehen, sofort krachen die Märkte. Jetzt hat es sogar die internationalen Kunstmärkte erwischt. Sie brechen ein und liegen fast schon wieder auf dem Niveau von 2001, mit weiterem ungebremsten Drang nach Süden.
Ein paar rare Einzelstücke ragen noch aus der Menge heraus, aber die Versteigerungshäuser bleiben immer öfter auf dem Kram hängen. Das liegt natürlich auch daran, das ein paar der Superreichen ihr Buchgeld jetzt genau so schnell verlieren, wie sie es einst gewonnen haben. Die Hedgefonds verlieren immer mehr Einlagen und die nächsten Crashs sind sehr kurzfristig zu erwarten.
Die Konsumentenkredite in den USA, wie die faulen Pfandbriefe in Deutschland bei der Hypo Real Estäte, sind immer noch kein wirkliches Thema. Alle winken nur ab und sagen bitte nicht jetzt dass auch noch. Allerdings wird ein toter Hund nicht besser wenn man ihm täglich Futter und Wasser zur Verfügung stellt. Er verwest trotzdem. In der Schweiz ist das Konsumklima auf einem Fünfjahrestief, aber es wird noch tiefer fallen. Nach der letzten Hilfe für die UBS scheint es schon wieder zu neuen Forderungen zu kommen.
Das was die Schweiz und der Franken noch vor sich haben, hat Lettland schon fast hinter sich. 52 Prozent der Parex Bank kosteten noch knapp drei Euro. Lettland wird wohl den isländischen Weg gehen müssen. Aber keine Sorge die Einlagen der Parex Bank in Deutschland sind beim Deutschen Einlagensicherungsfond gesichert.
Wer sich den Tag versauen will, kann aber mal nachfragen, wieviel Geld in diesem Topf nach Lehmann noch drin ist und welche Banken wovon nachschießen sollen. Das wird das nächste interessante Thema. Die Versicherungen in Deutschland lahmen auch kräftig. Die Allianz musste eine Verlust von 2 Milliarden Euro hinnehmen, nachdem sie Im Vorjahresquartal noch 1,9 Milliarden Gewinn gemacht hatte. Alleine Abschreibungen auf den Wert ihrer forderungsbesicherten Wertpapiere um 650 Millionen Euro standen diesmal an.
Wer ein wenig Spaß haben will kann bei Wikipedia nachlesen was forderungsbesicherte Wertpapiere sind. Es reicht aber eigentlich sich an die tollen Wundertüten aus der eigenen Kindheit zu erinnern, deren prächtige Aufdrucke in keinem Verhältnis zu ihrem Inhalt standen.
Deshalb geht der Chef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, ja davon aus, dass sein Haus in Zukunft noch eine Reihe von Versicherungen kaufen kann. Vor allem Versicherungen die den Banken gehören. Denn wenn die Münchner Rück ihre Pfandbriefe und Schuldscheine von den Banken einlösen lässt, kommen 40 Milliarden zusammen. Dafür könnte man manch hübsche Versicherungstochter kaufen.
Allerdings wird der gute Nikolaus von Bomhard wohl eher vor dem Problem stehen, das die Banken einfach nein sagen, und ihn auf dem Zeug sitzen lassen. So nach dem Motto, ihr wolltet es haben jetzt müsst ihr es auch behalten. Nun ja. Ob so kaputt oder so kaputt. Das ist doch eigentlich egal.
Aber natürlich gibt es Hoffnung. Mann muss einfach nur die richtigen Berater haben um in der Krise die dicken Gewinne von bis zu 228,3 Prozent abzusahnen. Auch unsere alten Freunde von der Schneegruppe sind immer noch sehr aktiv mit ihrer SKR. Allerdings dürfte denen wohl bald die Versicherer wegsterben. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
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