„Den Atomausstieg in der BRD gibt es nicht“ Interview mit Horst Blume von der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm
Horst Blume hat 1975 die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm mitgegründet. Er arbeitet seitdem in verschiedenen libertären Zeitungsprojekten mit, unter anderem bei der Monatszeitung „Graswurzelrevolution“. Seit 22 Jahren gibt er den THTR-Rundbrief heraus, der bisher auf insgesamt 2.500 Seiten Widerstand und Kritik begleitet und dokumentiert.
Interview: Michael Schulze von Glaßer
Michael Schulze von Glaßer: Die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm hat dem Bundesumweltministerium vor zwei Wochen 4.000 Unterschriften zur Erstellung einer Leukämiestudie am Standort des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR) Hamm überreicht. Warum muss das Bundesumweltministerium erst dazu gedrängt werden solch eine Studie zu erstellen?
Übergabe der 4000 Unterschriften
Horst Blume: Im Rahmen dieser Studie über Leukämiefälle bei Kindern bis zu fünf Jahren wurde die Umgebung von 50 Kilometern im Umkreis aller Atomkraftwerke in Deutschland durchgeführt. Allerdings mit der Ausnahme, dass Forschungsreaktoren und Prototypen wie der THTR nicht aufgenommen werden. Außerdem wurden nur Atomstandorte, die von 1980 bis 2003 in betrieb waren, in die Studie aufgenommen. Da der THTR Hamm zudem wegen seiner Störanfälligkeit nur an 423 Volllasttagen in Betrieb war, fällt er aus der Studie raus. Das kommt den Betreibern RWE und der Atomlobby natürlich sehr gelegen. Es ist ein formeller und statistischer Grund, den THTR wegen mangelnder Vergleichbarkeit aus der Studie herraus fallen zu lassen. Das ist natürlich sehr bedauerlich, weil der THTR Hamm der Störfall- und Pannenreaktor schlechthin in Deutschland ist. Gerade deswegen müssten vor Ort nähere Untersuchungen stattfinden.
Was war der schlimmste Störfall im THTR?
Der schlimmste Störfall fand 1986 statt – 8 Tage nach der Tschernobyl-Katastrophe. Am 4. Mai 1986 klemmten mehrere Kugelbrennelemente (Durchmesser 6 cm) in dem Rohrabzugssystem und wurden dann mit erhöhtem Druck heraus geblasen. Dabei wurden diese Kugeln zerstört und zerbröselten. Genau in dem Moment wurde ein Filter in der Anlage gewechselt. Wie der Zufall es will, wurde auch das Messsystem abgeschaltet, so dass nicht genau nachgehalten werden konnte, welche Menge an Radioaktivität in die Umwelt entlassen worden ist. Wir von der Bürgerinitiative haben allerdings zusammen mit dem Öko-Institut selbst Messungen durchgeführt und konnten nachweisen, dass die erhöhte Radioaktivität aufgrund der spezifischen Nuklid-Zusammensetzung nicht aus Tschernobyl kam, sondern aus „unserem“ THTR. Das war nur der größte Störfall, es gab zahlreiche weitere Pannen.
Wie verhält sich denn die lokale Politik zu eurer Forderung nach einer Leukämiestudie?
Der Gemeinderat von Lippetal hat sich sehr schnell unserer Forderung angeschlossen. Ein paar Wochen später haben sich dann auch die Kommunen Hamm, Welver und Beckum unserer Forderung angeschlossen.
Sind euch denn aus dem Umkreis des THTR Hamm Krankheitsfälle bekannt, die auf eine erhöhte Strahlung hinweisen?
Nachdem wir zunächst protestiert hatten, dass der THTR nicht in die KiKK-Leukämiestudie aufgenommen wird, gab es eine gute mediale Resonanz. In deren Folge haben sich viele Menschen bei uns gemeldet, die in ihrer Familie oder auf ihrer Straße Krebsfälle zu beklagen haben. Unzählige Mails, Telefonate und Briefe sind bei uns eingegangen, insbesondere aus der Hauptwindrichtung. Das nehmen wir sehr aufmerksam zur Kenntnis und haben dies dem Bundesamt für Strahlenschutz und dem Bundesumweltministerium in anonymisierter Form zugeschickt. Die haben darauf aber nicht reagiert.
Das Bundesumweltministerium nahm euch nicht ernst?
Genau, deshalb haben wir diese Unterschriftenaktion gestartet um nochmals Druck zu machen. Die Resonanz auf die Aktion war erstaunlich. Vom Autohaus über die Apotheke bis zur Sparkasse: überall lagen die Unterschriftenlisten aus – das ist wirklich erstaunlich. Wer weiß wie konservativ und träge die Menschen in dieser Gegend hier sind, weiß das 4.000 Unterschriften wirklich viel für diese Region sind. Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen. Wir haben die Unterschriften dann in Berlin in Strahlenschutzanzügen und mit Transparenten beim Bundesumweltministerium abgegeben. Die Medien – sogar das Fernsehen – waren da. Wir haben dann eine Stunde lang mit dem Pressesprecher des Umweltministeriums und einem Experten vom Bundesamt für Strahlenschutz diskutiert. Jetzt werden wir unsere Forderungen konkretisieren: wenn eine Untersuchung im Rahmen der Leukämiestudie nicht möglich ist, wollen wir zumindest eine spezielle – von der Leukämiestudie unabhängige – Untersuchung über Krebsfälle in der Region. Zusammen mit den „Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs“ (IPPNW) überlegen wir, was wir genau vorschlagen können. Im Herbst finden dazu Veranstaltungen statt. Wir werden weiter Druck machen. Unser Ziel haben wir dabei immer fest im Blick. Außerdem sind im nächsten Jahr Kommunal- und Landtagswahlen in NRW, da ergeben sich neue Möglichkeiten auf die Kommunen, den Landtag und eben auch auf die Parteien Druck auszuüben.
Zum THTR selbst: der Reaktor ist seit 1989 stillgelegt aber von der Anlage geht immer noch eine Gefahr aus…
Der Reaktor befindet sich in dem so genannten „Stilllegungsbetrieb“, der bis zum Jahr 20027 dauern soll. Es sind noch 1,6 Kilogramm hochradioaktiver Kernbrennstoff im Reaktorkern und in den Leitungssystemen. Ungefährlich ist das ganze nicht. Noch im Jahr 1992 ist radioaktives Tritium aus der Anlage ins Grundwasser gelangt. Zurzeit wird vom Betreiber und der Politik diskutiert, wie mit der Stilllegung weiter verfahren werden soll. Ob der Reaktor eventuell früher abgerissen werden soll. Denn 5,6 Millionen Euro kostet der Stilllegungsbetrieb jährlich. Von der Landesregierung ist eine neue Studie in Auftrag gegeben worden, die feststellen soll wie teuer ein Abriss der Anlage werden würde. Es wird sich dann zeigen, ob sie die Anlage doch früher als geplant abreißen.
Wer kommt für die jährlich entstehenden Stilllegungskosten von 5,6 Millionen Euro auf?
Zum größten Teil bezahlt dies das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund – also der Steuerzahler. Die Betreiberfirma RWE zahlt lediglich 166.000 Euro jährlich.
Sträubt sich die Regierung auch deswegen vor einer Leukämiestudie für den THTR Hamm, weil die Technologie weiterverkauft werden soll?
Ja, der THTR ist ein Prototyp für die Reaktorgeneration vier. Diese neue Reaktorgeneration soll im Rahmen der angeblich weltweiten Renaissance der Atomkraft weiter ausgebaut werden. Schon jetzt fließen innerhalb der EU viele Millionen Euro zur Erforschung dieser Reaktoren. In Deutschland wird geforscht, aber auch in den USA, Südafrika, China, Brasilien, Indien, Schweiz – es besteht großes Interesse an der Reaktorgeneration vier. Es würde natürlich schlecht aussehen, wenn sich gerade in der Umgebung des Prototyps dieser Generation IV die Krebsfälle häufen und eine große Gefahr darstellen würde.
Wurde deutsche THTR-Technologie schon exportiert?
Patente sind schon vor vielen Jahren nach Südafrika und China verkauft worden. Bei Kapstadt in Südafrika soll bald mit dem Pebble Bed Modular Reactor (PBMR), so die dortige Bezeichnung, gebaut werden. Die Firmen Uhde aus Dortmund und EHR aus Essen verdienen daran schon heute, denn die dazugehörige nukleare Brennelementefabrik in Pelindaba muss natürlich auch gebaut werden. Mit dem Bau des THTR in China wurde Ende April 2008 begonnen. Auf der Halbinsel Shandong in der Nähe des ehemaligen deutschen Kolonialgebietes. Das ist kein Zufall, sondern Produkt eineinhalb jahrhunderter Kolonialbeziehungen. Ein kleiner THTR-Forschungsreaktor bei Peking wurde allerdings schon im Jahre 2000 das erste mal kritisch. Beide Projekte werden von Professor Hurtado von der Uni Dresden mit deutschen Steuergeldern finanziert fachlich begleitet. Auch dies zeigt, dass es den „Atomausstieg“ in der BRD nicht gibt.
In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE [PDF - 72 KB] nach den volkswirtschaftlichen Kosten der Atomenergie gibt die Bundesregierung [PDF - 76 KB] an, dass die Quantifizierung, insbesondere externer Kosten, mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sei. Dennoch zeigt die Auflistung der bisher aufgebrachten Kosten allein für den Bund (also ohne Länder), dass - jenseits der Stromkosten für die Verbraucher - Atomstrom für die Steuerzahler alles andere als eine billige Energie darstellt. In der Antwort der Bundesregierung werden bei weitem nicht alle Kosten der öffentlichen Hand aufgelistet, etwa die Aufwendungen der Länder oder die Forschungskosten an Hochschulen oder öffentlichen Forschungseinrichtungen oder die Sicherungskosten für die Atomtransporte. Überhaupt noch nicht kalkulierbar sind die Kostenrisiken für die künftige Stilllegung alter abgeschalteter Kraftwerke. Die künftigen Belastungen für die Steuerzahler dürften die bisher aufgelaufenen Beträge noch um ein Vielfaches übersteigen - es sind „Unendlichkeitslasten“. Wolfgang Lieb
Hier zunächst einige der in der Antwort aufgeführten Kostenblöcke aus dem Haushalt des Bundes (wie viel Geld die Länder eingesetzt haben, ist dabei natürlich nicht erfasst): Von 1974 bis 2007 hat die Bundesregierung die kerntechnische Forschung an den Helmholtz-Zentren (Forschungszentren Jülich und Karlsruhe, GKSS Forschungszentrum Geesthacht, Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie und Helmholtz-Zentrum München) mit insgesamt 4,44 Mrd. Euro institutionell gefördert. Im selben Zeitraum hat die Bundesregierung 1,81 Mrd. Euro für die Förderung von Projekten zur Sicherheitsforschung für kerntechnische Anlagen bereitgestellt. Die Kosten der öffentlichen Hand für Rückbau- und Endlagerung für die Versuchswiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, für das Prozess- und Lagergebäude sowie die Verglasung ergeben sich wie folgt: Bis zum 31. Dezember 2007 beliefen sich die Kosten auf 571,22 Mio. Euro. Der Mittelansatz für dieses Jahr liegt bei 59,43 Mio. Euro. Für zukünftige Kosten werden nach derzeitigem Stand 920 Mio. Euro veranschlagt.
Die Kosten der öffentlichen Hand für Bau, Betrieb und Rückbau des Kernkraftwerks Niederaichbach (KKN), das bis 1995 vollständig zur „grünen Wiese“ zurückgebaut wurde, sowie für die Entsorgung beliefen sich auf 134,5 Mio. Euro. Die Kosten der öffentlichen Hand für den Bau und die Abwicklung des Schnellen Brüters in Kalkar (SNR-300) beliefen sich auf 2,177 Mrd. Euro. Die Kosten der öffentlichen Hand für das Kernkraftwerk Hamm-Uentrop (Thorium-Hochtemperaturreaktor THTR) beliefen sich bis zum 31. Dezember 2007 auf 1,776 Mrd. Euro. Der Mittelansatz für dieses Jahr liegt bei 5,778 Mio. Euro, für 2009 bei 6 Mio. Euro. Die Kosten für die Zukunft sind noch nicht bekannt und die Kostenübernahme ist noch nicht verhandelt. Bis zum 31. Dezember 2007 wurden im Rahmen dieser Finanzierungszusage rd. 2,5 Mrd. Euro den Energiewerken Nord GmbH (ehemals DDR) für die Erfüllung seiner atomrechtlichen Verpflichtungen zur Verfügung gestellt. Im Jahre 2008 sind 111 Mio. Euro Zuwendungen für diese Zwecke bewilligt. Für den Zeitraum ab 2009 werden nach derzeitiger Einschätzung noch Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt in der Größenordnung von rd. 600 Mio. Euro benötigt.
Die Kosten der öffentlichen Hand für das Forschungsbergwerk ASSE II beliefen sich bis 31. Dezember 2007 auf 257 Mio. Euro. Der Mittelansatz für dieses Jahr liegt bei 57 Mio. Euro, die zukünftigen Kosten werden auf 536 Mio. Euro geschätzt. Die Kosten, die für das Endlager Morsleben bis zum 31. Dezember 2007 entstanden sind, belaufen sich auf ca. 648 Mio. Euro. Im laufenden Haushaltsjahr 2008 sind 61,7 Mio. Euro für das Projekt Morsleben veranschlagt. Die Gesamtprojektkosten werden auf ca. 2,2 Mrd. Euro geschätzt.
Für das Projekt Gorleben sind von 1977 bis Ende 2007 Kosten in Höhe von rd. 1,51Mrd. Euro entstanden. Im laufenden Haushaltsjahr 2008 sind 27,6 Mio. Euro für das Projekt Gorleben veranschlagt. Die zukünftigen Kosten hängen insbesondere von einer politischen Grundsatzentscheidung zum weiteren Vorgehen bei der Endlagerung hochaktiver, wärmeentwickelnder Abfälle ab. Von 1979 bis 1992 hat der Bund freiwillig – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht – als Ausgleich für mit den Entsorgungsanlagen (Endlagerprojekte Gorleben, Schacht KONRAD und die Aufgabe der WAA Wackersdorf) verbundene Lasten des Landes Niedersachsen insgesamt 410 Mio. DM pauschal an das Land Niedersachsen gezahlt.
Seit 1990 sind bis Ende 2007 für die Sanierungsmaßnahmen der Wismut GmbH (Altlasten durch den Uranbergbau der Wismut GmbH) insgesamt ca. 4,9 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt ausgegeben worden. Für 2008 sind 170 Mio. Euro vorgesehen. Für die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten und die sich anschließenden Langzeitaufgaben sind nach heutigem Kenntnisstand weitere ca. 1,3 Mrd. Euro erforderlich.
Die Finanzierung der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) erfolgt nicht über individuelle Beiträge der Mitgliedsstaaten, sondern über den allgemeinen Haushalt der EU. Seit 1990 wurden Euratom über Rahmenprogramme (RP) die nachfolgend aufgelisteten Mittel zur Verfügung gestellt:
3. RP (1990 bis 1994): 657 Mio. ECU 4. RP (1994 bis 1998): 1,33 Mrd. ECU 5. RP (1998 bis 2002): 1,26 Mrd. ECU 6. RP (2002 bis 2006): 1,78 Mrd EURO
Die im derzeit laufenden 7. RP (2007-2011) zur Verfügung gestellten Mittel belaufen sich auf insgesamt 2,75 Mrd. Euro. Die Summe der von der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 1957 bis Ende 2007 an die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) geleisteten Beiträge beträgt rund 636,7 Mio. Euro. Allein für das atomare Endlagerprojekt Gorleben (Niedersachsen) sind von 1977 bis Ende 2007 Kosten in Höhe von 1,51 Milliarden Euro entstanden.
(Alle Angaben aus Antwort der Bundesregierung Drucksache 16/10077 [PDF - 76 KB] und Deutscher Bundestag)
Mit den Kosten für den sicheren Einschluss und den Rückbau des – gemessen an den Großkernkraftwerken – mit einer elektrische Nettoleistung von 13 Megawatt winzigen Versuchsreaktors in der Kernforschungsanlage Jülich war ich schon vor 10 Jahren beruflich als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der KfA persönlich befasst. Der Reaktor hatte schon 1988 ausgedient und wurde stillgelegt. Doch nach wie vor war die Betriebsbesatzung mit dem stillgelegten beschäftigt, denn nur sie hatte das Know-how, auch mit dem abgeschalteten Reaktor umzugehen. Der Reaktor „rostete“ jedoch vor sich hin und wurde zu einer Gefahr vor allem für das Grundwasser. Zunächst wurde ein „sicherer Einschluss“ entschieden. Die geschätzten Kosten beliefen sich im Jahre 2003 auf weit über 200 Millionen Euro. Für den Rückbau (Herstellung einer grünen Wiese) wurden damals weitere 300 Millionen Euro angenommen. Die „Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor Jülich“ (AVR), eine Betreibergesellschaft von 15 kommunalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen, war natürlich nicht in der Lage für diese Kosten gerade zu stehen, sie hatte schon Mühe die Kosten für den stillgelegten Reaktor aufzubringen. Hätten die Gesellschafter der Kernforschungsanlage Bund (90 %) und NRW (10%) die AVR in Anspruch genommen, so wäre sie sofort insolvent gewesen, und die öffentliche Hand hätte auch noch das Betriebspersonal übernehmen müssen. Noch mehr, bei einer Pleite der AVR hätte der Reaktor keinen Betreiber mehr gehabt und wäre im ordnungsrechtlichen Sinne als „störendes Objekt“ voll und ganz in die Verantwortung der Öffentlichen Hand übergegangen. Wie viele Jahre der Rückbau in Anspruch nehmen würde, wie langwierig die verschiedenen Genehmigungsverfahren dauern würden, war völlig unkalkulierbar. Man rechnet heute bis 2013. Wie und wo die kontaminierten Bauteile endgelagert werden können ist völlig offen.
Ähnlich stellte sich die Sachlage auch nach der Stilllegung des Thorium-Hochtemperator-Reaktors in Hamm-Uentrop. Die Betreibergesellschaft wäre bei einer Inanspruchnahme für die Stilllegungskosten sofort insolvent gewesen und konnte für die Kosten nicht herangezogen werden. Der Vertrag war so ausgestaltet, dass auch kein Rückgriff auf die Energiekonzerne möglich war. Die Kosten wurden anfänglich auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt und liegen derzeit bei 1,776 Mrd. Euro - die gleichfalls beim Steuerzahler hängen blieben. Der Rückbau wird noch mindestens 20 Jahre beanspruchen. Wie hoch der Rückbau schließlich den Steuerzahler noch belasten wird, ist nicht absehbar.
In Deutschland werden derzeit 17 KKW betrieben. Sie alle müssen irgendwann stillgelegt und (hoffentlich) zurückgebaut werden. Ob die Rückstellungen der Energiekonzerne ausreichen, um den sicheren Einschluss oder den Rückbau finanziell abzudecken, muss man nach den bisherigen Erfahrungen bezweifeln. Ich kenne natürlich die vertraglichen Ausgestaltungen der Haftung die Kraftwerke nicht. Die Genehmigungen sind jedoch alle erteilt worden, als ein kernenergieförderliches Klima herrschte, und das heißt die Politik und die zuständigen Genehmigungsbehörden waren mit Sicherheit ähnlich großzügig wie beim AVR und beim THTR. Es dürfte mit Sicherheit Haftungsbegrenzungen geben, so dass auch für diese privat betriebenen Anlagen letztlich die öffentliche Hand haftet und für deren Sicherheit zu sorgen haben wird. Beim Kohlebergbau spricht man von den „Ewigkeitskosten“ für die Altlasten. Bei den Atomkraftwerken sollte man genauer von „Unendlichkeitskosten“ sprechen, die über eine nach menschlichem Ermessen unüberschaubaren Zeitraum anfallen. Darüber reden diejenigen, die heute vom „billigen“ Atomstrom schwadronieren, natürlich nicht. ganzer Text/Quelle/links
Einer der großen Vorteile die Angela Merkel hat, ist zweifelsohne, dass man sie nicht ernst nimmt. Als sie noch Kohls Mädchen war, sah sie immer so bescheuert aus, dass man noch am lachen war, während sie ihre Schäfchen ins Trockene brachte. Wenn sie irgendwo auffiel, wie zum Beispiel beim Endlager Morsleben dessen Weiterbetrieb sie als Umweltministerin durchsetzte, dann dachte man immer daran, dass Kohl ihr das befohlen hatte.
Zumindest fällt mir niemand ein, der damals auch nur eine Sekunde daran gedacht hätte, dass die Tante vielleicht auf eigene Rechnung, wenn auch sicher mit dem Wohlwollen des Dicken arbeiten könnte. Man hat sie nicht ernst genommen. Vielleicht aus typischer männlicher Überheblichkeit, obwohl ja viele, schlaue und eigenständige Frauen aus dem Osten kannten. Es war auf jeden Fall ein Fehler.
Die Dame hat nicht nur gnadenlos im Sozialismus Karriere gemacht, sondern konnte trotz ihrer SED-Verstrickungen auch gleich im Westen weitermachen. Sie ist soweit bekannt ist, der einzige Fall, wo ein Politruk des FDJ, also eine politische Kommissarin für Agitation und Propaganda, den Wechsel so mühelos geschafft hat.
Nun gut sie ging ja auch nicht zu den Linken sondern in die CDU. Unter den Rechten hat wohl niemand ernsthaft nach Stasi-Verstrickungen gesucht. Selbst die Sache, wo sie ihren missliebigen Lehrer vom Staat maßregeln lies, hat man ihr durchgehen lassen.
Allerdings sind die aufregenden Zeiten von damals längst vorbei und nun muss einfach mal Bilanz gezogen werden. Erstaunlicherweise hat das Zentrale Demenz Fernsehen, mal wieder eine Sternstunde gehabt, die Dank Steffinos Gedankenhabitat sogar die bewussten Nichtfernsehzuschauer erreicht.
Leider sind solche Sternstunden so selten, dass sie nur einen winzigen Bruchteil der Gebühren rechtfertigen. Der etwas längere Beitrag zeigt sehr schön auf, wie Frau Merkel vorgegangen ist und wie sie als verantwortungslose Neoliberale und Menschenfeindin, bis heute agiert.
Das kann man nun wirklich nicht mehr mit mangelnder Erkenntnis seitens Frau Merkel verbrämen. Auch wenn sie mehr Politruk und FDJ-Agitatorin als Studentin waren, mussten auch politische Wissenschaftler wenigstens in Grundzügen ihre Wissenschaft und die damit verbundenen Probleme kennen. Schon um nicht ständig an der falschen Stelle einzugreifen.
Frau Merkel kannte also die Gefahren des schwach und mittelradioaktiven Abfalls der sich zum Beispiel in Asse II so harmlos aufaddiert.
Alles natürlich völlig ungefährlich. Nur etwas mehr als 125.000 Fässer, 102 t Uran, 87 t Thorium und nur 11,6 kg Plutonium. Nicht der Rede wert. Wer braucht schon Braunschweiger, Hanoveraner oder Bremer. Bis das Plutionium bei denen ist, haben wir vielleicht schon gute Krebsmittel und wenn nicht. Egal. Es geht um höhere Werte. Es geht um Profit.
Damit auch niemand mehr etwas unternehmen kann, soll das Bergwerk jetzt geflutet werden. Fluten bedeut es einfach vollaufen zu lassen und zu vergessen.
Natürlich ist Asse II viel kleiner als Morsleben. Wie lange würden wohl die Mitglieder des Bundestages die für Atomkraftwerke sind, unsere Bundesregierung, die Vorstände und Aktionäre der Atomkraftwerksbetreiber brauchen um nur den Dreck aus Asse II zu essen und wie lange würden sie am Leben bleiben? Nicht sehr lange.
Aber eine solch persönliche Gefahr weisen sie weit von sich. Selbst der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der ja irgendwelche Berührungsängste mit den den Nutten von Peter Hartz hatte, ist da hart im nehmen. Sein Wahlkreis liegt in dem Gebiet, das Asse II wohl als erstes verseuchen wird. Aber er trinkt wahrscheinlich kein Wasser und Champagner wird da nicht angebaut. Wenn es gar zu arg wird, geht er eben nicht mehr hin. Sein Hubschrauber fliegt ihn dahin, wohin er will und sein Fahrer fährt mit dem Auto voraus.
Alle die, die heute leichtfertig und großkotzig mit den Gefahren von Asse II, Schacht Konrad und Morsleben umgehen, hoffen dass sie schon tot sind, wenn das Problem offen wieder zu Tage tritt. Da sollte sich aber niemand sicher sein. Frau Merkel hatte ja offen angeordnet, dass dass man Verstürzen in Morsleben nicht behindern soll, damit ihre Freude und wohl auch Auftraggeber die Milliarden einfahren können. Selbst die dümmste Tussi muss aber wissen, dass stürzen auch immer bedeutet das Fässer kaputt gehen.
Sie hat also die Zerstörung der Fässer billigend in Kauf genommen. Das wird sie mit Sicherheit nicht für umsonst getan haben. Es wäre interessant die Entwicklung des persönlichen Vermögens von Frau Merkel untersuchen zu können, um herauszufinden was sie, für welche Schandtat, bekam. Aber das wird wohl in Deutschland unmöglich sein. Es sei denn es findet sich ein Bankmitarbeiter der begreift, wie grausam wir alle betrogen werden. Ich verspreche die Zahlen, die, die Käuflichen bekamen sofort zu veröffentlichen, wenn ich sie in den Händen halte.
Dieses Verstürzen ist in Asse II auch gemacht worden. Dabei sollte es ein Versuchsbergwerk mit der Möglichkeit des Rückbaus sein. Das Helmholtz-Zentrum hat also bewusst gegen sein Genehmigung verstoßen und ist für die Gefahren, die von Asse II heute ausgehen vollständig verantwortlich. Notfalls muss der Schaden aus der bayrischen Staatskasse beglichen werden, die ja auch den Nutzen von diesem völlig verantwortungslosen Institut hatte.
Wolfram König, der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz spricht für Morsleben von der Gefahr, dass Wasser einbrechen könne, das zu Korrosion der Fässer und zum Auswaschen der Radionuklide führt, die dann über kurz oder lang im Grundwasser landen oder gar als Quellen hervortreten. Im Grunde genommen würde dadurch die Gefahr immens vergrößert und praktisch könnten weite Teile Deutschlands verseucht werden.
Um die 14400 Kubikmeter radioaktiven Abfalls aus DDR-Zeiten die in Morsleben eingelagert sind und die 22.000 Kubikmeter die aus dem Westen stammen, sichern zu können sind mindestens 2,2 Milliarden Euro notwendig. Das bedeutet bei öffentlichen Bauvorhaben, das am Ende mindestens 5 Milliarden gezahlt werden und weitere Folgekosten bleiben.
Unsere großartige Kernenergiewirtschaft hat doch tatsächlich 100 Millionen Euro für das Abladen in Morsleben bezahlt. Die Kosten für deren Anteil werden zwischen 1,4 und 2,9 Milliarden Euro betrage. Also zwischen dem 14 und 29 fachen dessen, was die Endsorgung für die Unternehmen gekostet hat. Da kommt dann schon Wut auf, wenn ein schmutziger Lobbyist wie Walter Hohlefelder einen solchen Preis für angemessen hält. Vor allem wenn man bedenkt, dass er noch fleißig als Staatsdiener am Betrug des Steuerzahlers mitgewirkt hat, bevor er Lobbyist wurde.
Laut Meldung im Nachspann des Berichtes wurde Helmut Kohl von realen Kosten für Atomstron von 4 DM je Kilowattstunde berichtet und wohl auch vorgerechnet, was das Dreifache des heute teuersten Ökostroms wäre, über dessen Kosten sich die Kernenergiebefürworter immer gerne so aufregen.
Aber der Schabernack geht ja noch weiter. Wenn man weiß, das Atomkraftwerke so gut wie gar nicht versichert sind während jedes kleine Süßwasseraquarium einer Versicherung bedarf.
Ob Wirtschafts- und Technologie- minister Michael Glos (CSU) weiter Werbung für die Atomindustrie machen würde, wenn er eine hochbrisante Risikostudie seines eigenen Ministeriums zum Schadenspotenzial von Atomkraftwerken gelesen hätte? Frank Winkler, früherer Chef des weltweit größten Herstellers thermischer Solaranlagen fordert jetzt etwas, das man als Bürger eigentlich voraussetzen würde: eine nicht nur symbolische Haftpflichtversicherung für alle deutschen Atomkraftwerke. Der Wirtschaftsingenieur verlangt dabei nicht mehr als gleiches Recht für alle: "Wenn jede Windenergie- und Solaranlage voll haftpflichtversichert sein muss, dann muss das erst recht für risikoreiche Atomkraftwerke gelten. Niemand versteht, warum es aktuell nur eine symbolische Atom-Haftpflicht- versicherung gibt, die weniger als 0,1 Prozent der bei einem Super-GAU zu erwartenden Schäden deckt."
Winkler und die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW weisen jetzt darauf hin, dass laut Prognos-Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bei einem Atomunfall Schäden in Höhe von bis zu 5500 Milliarden Euro zu erwarten seien. Die Deckungsvorsorge für ein Atomkraftwerk liege aber nur bei 2,5 Milliarden. Haftpflichtversichert sei ein Atomkraftwerk sogar nur mit 0,5 Milliarden Euro. In diesem Zusammenhang sei nur logisch, aber nicht hinnehmbar, dass alle privaten Haftpflichtversicherungen in Deutschland Schäden durch Nuklearunfälle ausdrücklich ausschließen.
Der Michel Glos ist nicht verantwortlich. Der versteht ja gar nicht was er spricht. Manchmal sagt er sogar was man ihm aufgeschrieben hat, aber sicher ist das nicht. Natürlich ist es ein Unding das sich die Betreiber der gefährlichsten Anlagen dieser Welt aus jeder Verantwortung stehlen und die Kosten sozialisieren während sie die Gewinne privatisieren.
Vor allem wenn man bedenkt was eine kleine Anfrage der Linksfraktion so an weiteren Kosten zu Tage gebracht hat.
Auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion nach den Kosten für das Endlager Morsleben, die Versuchswiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, das Forschungsbergwerk Asse II, den schnellen Brüters in Kalkar, das Kernkraftwerk in Niederaichbach, das Kernkraftwerk Hamm-Uentrop antwortete der Deutsche Bundestag. Diese belaufen sich dezeit auf 7,051 Milliarden Euro. Alleine die letzten 30 Jahre Endlagerprojekt Gorleben berappen sich auf 1,51 Milliarden Euro.
Für die Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg stehen die Kosten ebensowenig wie die Folgekosten des ganzen Atomdesasters fest. Von den Gefahren mal ganz zu schweigen.
Der in Rheinsberg und Greifswald betriebene Rückbau von Atomkraftwerken ist aber die einzige Möglichkeit um die Dinger überhaupt wieder loswerden zu können. Allerdings wird es dabei nie Routine geben, weil die Dinger zwar im Prinzip ähnlich sind, aber überall neue Überraschungen warten. Der Rückbau wird Hunderte von Milliarden, wenn nicht gar Billiarden kosten. Alles finanziert vom Steuerzahler.
Die Atombranche ist bewusster und breit angelegter Betrug. Menschen die bei einem Betrug mithelfen sind ebenfalls Betrüger. Es stellt sich einfach die Frage, ob nicht die gesamte Energiebranche zu enteignen ist, weil, sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen Gewinne zu Lasten der Allgemeinheit realisiert hat. Die Anteilseigner, also die Aktionäre müssten mit dem Hundertfachen des durchschnittlichen Börsenwertes der Aktie zur Kasse geben werden, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.
Auch das wird nicht ausreichen um den Schaden nur halbwegs wieder auszugleichen, wäre aber ein Anfang. Den Betrügern und ihren Helfern wie Frau Merkel sollten die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen werden und sie müssten natürlich die strafrechtliche Verantwortung übernehmen.
Aber all das ist nebensächlich wenn nicht in Asse II sofort Einhalt geboten wird. Die völlig verantwortungslosen Betreiber wollen jetzt das Bergwerk mit gesättigter Lauge füllen die praktisch als Salzlake die Fässer in kürzester Zeit korrodieren lässt, soweit sie nicht schon durch die unsachgemäße Verbringung zerstört wurden. Dieses Verfahren ist kriminell wie die gesamte Helmholtztruppe dort in München.
Natürlich wird sich kein bayrischer Staatsanwalt daran trauen, solchen Leuten ins Handwerk zu fallen und unsere Bundesanwaltschaft ist ja für nichts zuständig, außer RAF-Leute zu quälen und Terroristen zu erfinden. Die Menschen in Deutschland stehen also wieder einmal völlig alleine da. Die Medien werden das Thema wieder fallen lassen, und die ersten Opfer werden die Kinder sein.
Wer das nicht will, wird kämpfen müssen. Wer bei Asse II ruhig zusieht, kann Gorleben gleich genehmigen. ganzer Text/Quelle/links
Es geht den Kraftwerkbetreibern immer nur um die Kohle. Sie kümmern sich nicht um die Natur, Hauptsache sie bekommen ihren Profit. Jetzt sprechen die Konzerne davon, dass nicht genug Strom produziert würde ohne die Atomenergie, jedoch ist dies wieder nur eine Ausrede um den Atomausstieg zu bremsen. Auch die Bundesregierung will den Konzernen entgegenkommen, indem sie ihnen erlaubt, die Stromkontingente der sieben Atommeiler, die umgehend deaktiviert werden sollen, auf neuere Atomkraftwerke zu überschreiben. Meiner Meinung nach ist dies alles Nonsens. Ich werde weiterhin gegen die Atomkraft vorgehen.