Auszug von egon-w-kreutzer
Die erste Schwalbe - Warnzeichen für den Euro
von Egon W. Kreutzer 9. Januar 2012
Heute wurde bei der Emission deutscher Staatsanleihen erstmals Ausgabekurse erzielt, aus denen sich für die Anleger ein Negativzins ergibt. Durchschnittlich minus 0,1 % für insgesamt 3,9 Milliarden Euro, die noch dazu 1,8-fach überzeichnet waren.
Was veranlasst einen Anleger, sich auf eine derartig Anlage einzulassen?
Die Hoffnung darauf, im späteren Börsenhandel einen höheren Preis zu erzielen, das schreibt der Spiegel im nachstehend verlinkten Artikel.
Die Frage, die hinter dieser Erklärung auftaucht, lautet aber: "Aus welchem Grund sollen negativ verzinste Papiere noch teurer gehandelt werden, die Rendite also noch weiter sinken?"
Und dafür gibt es nur eine sinnvolle Erklärung:
Die Euro-Rettung ist in den Augen der ersten Anleger bereits gescheitert.
Eine Schwalbe
- und diese 3,9 Milliarden Euro sind im Vergleich zu den Billionen, die in Euro-Anleihen angelegt sind, nicht mehr als eine erste Schwalbe -
macht zwar noch keinen Sommer, aber nach der ersten Schwalbe kommen erfahrungsgemäß weitere, bis die Nistplätze wieder voll besetzt sind.
Die Spekulation sieht offenbar den Euro-Crash nun als realistisches Szenario an. Nach dem Euro-Crash wird es neue Währungen geben. Staatsschulden werden in die neuen Währungen übertragen. Der geringste Abwertungsverlust wird da erwartet, wo vom Euro auf die "DM 2.0" umgestellt wird. Also DM-Anleihen kaufen, koste es, was es wolle.
Die Aktion steht unter dem Motto: Retten, was zu retten ist.
Unter dem Vorzeichen von Negativzinsen für deutsche Staatsanleihen jetzt herzugehen und den ESM beschleunigt in Kraft zu setzen, wie es Schäuble anstrebt, wird den Crash nicht aufhalten, aber jede zusätzliche Milliarde für die Euro-Rettung wird die Situation der deutschen Steuerzahler deutlich verschlechtern.
Hoffen wir auf beschleunigte Einsicht.
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