Auszug von karl-weiss-journalismus
Am Rand der Klippe
von Karl Weiss
Noch steht die Deutsche Automobilindustrie gut da.
Noch ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland relativ stabil. Im Dezember wurde sogar ein kleines Plus von 6% gegenüber dem Vorjahresmonat erreicht. Allerdings sind die Zulassungszahlen auf längere Sicht stagnierend. Geht es also den Deutschen noch relativ gut? Wer sich die Zahlen näher ansieht, erschrickt: Der Anteil gewerblicher Zulassungen an den gesamten Zulassungen steigt permanent und liegt bereits bei über der Hälfte, während der von Personen deutlich fällt.
Die Gesamtzahl der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland erreichte 2011 3,17 Millionen, ein Plus von 8,8% gegen 2010. Im Jahr 2011 waren aber bereits fast genau 60% der Neuzulassungen gewerbliche.
Wenn man sich das aufgeteilt nach Fahrzeugen ansieht, wird klar: Die Firmen kaufen für ihre „Leitenden“ offenbar weiterhin relativ repräsentative Karossen, während der private Käufer sich stark auf kleinere Vehikel zurückzieht.
Hier einige Beispiele: Der Passat von VW, offenbar der beliebteste Kauf für die mit Firmenwagen ausgestatteten Funktionsträger, liegt an zweiter Stelle in der Zulassungsstatistik im Dezember 11, doch 87% der 7189 zugelassenen Passats sind gewerblich.
Ähnlich auch der Audi 6, offenbar einer der Standard-Käufe für „etwas Höhergestellte“, an 10. Stelle in der Zulassungsstatistik: 86% der 4459 im Dezember neu zugelassenen Audi 6 sind gewerblich.
Das Gegenbeispiel ist der VW Polo, der in Deutschland als „Kleinwagen“ gilt: Er steht an 7. Stelle in der Zulassung im Dezember mit 5492 Stück. Fast 60% davon sind privat zugelassene Polos.
Unter den ersten zehn in der Zulassungsstatistik des Dezember, die insgesamt 69 307 Autos ausmachen, sind 47 960 und damit fast 70%, gewerblich zugelassen worden.
Wenn nun also, wie abgesehen werden kann, die Verlagerung der bestehenden Arbeitsplätze in Deutschland auf Fast-Sklaverei-Arbeitsplätze mit einem Lohn, der nicht zum Leben reicht, so weitergeht und die Wirtschaft ins Trudeln gerät, werden die Zulassungszahlen neuer Pkw wohl weiter zusammenschrumpeln, denn diesmal werden die gewerblichen Zulassungen das wohl nicht auffangen können – im Gegenteil, man wird dort wohl eher auf kleinere Wagen übergehen, wenn die Budgets eng werden.
Keine guten Aussichten für BMW, Audi, Mercedes und Porsche. Wenn ihre Karossen nicht mehr den „Leitenden“ zur Verfügung gestellt werden, wird ein wesentlicher Teil ihres Marktes wegbrechen. Natürlich wird es weiterhin Superreiche auf der ganzen Welt geben, die Nobelmarken fahren wollen, aber die haben nun weit mehr Geld als früher,(denn zu ihnen wird ja alles hingeschaufelt) und können einen Rolls-Royce kaufen (oder auch zehn).
Wer wird sich da mit einem Mercedes-C-Modell zufrieden geben, das einzige dieser Marke, das es im Dezember noch unter die ersten zehn in der deutschen Zulassungsstatistik geschafft hat (6. Platz mit 6329 Zulassungen)?
Dazu kommt der Effekt, dass die Absatzzahlen Deutscher Nobelmarken in den südeuropäischen Ländern bereits deutlich rückläufig sind: Z.B. Italien: BMW -30,69%, Opel -22,83%, Porsche -15,69% und Mercedes -7,05%.
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