Auszug von duckhome
Die deutsche Bahn - Wenns im Inland nicht klappt dann versuchen sie es im Ausland
von Jochen Hoff
Neben dem Elend mit den Vorstandvorsitzenden, der wahnsinnigen neoliberalen Renditegier, die sich durch Sparen am falschen Platz, nämlich bei der Sicherheit äußert, werden natürlich auch kaum neue Investitionen in stehendes oder fahrendes Gut getätigt.
Das heißt so ganz stimmt das nicht. Nachdem die Bahnhöfe in Deutschland über lange Zeit total zerfallen sind, gab es vor kurzem eine positive Überraschung. Die deutsche Bahn saniert den Bahnhof Westerland auf Sylt. Der ist zwar erst 1996 neu gemacht worden, aber wie hätte die Bahn auch ausgerechnet auf einer Insel in der Nordsee damit rechnen können, dass die salzhaltige Luft die Dachkonstruktion angreift. Salzhaltig Luft am Meer, auf sowas muss man doch erst einmal kommen.
Nein, das ist nicht zum Lachen, das ist zum Weinen und zeigt welche geistigen Riesen die Bahn heute beschäftigt. Noch putziger allerdings ist, dass die Bahn die Renovierung ihres wohl wichtigsten Bahnhofs, an dem sie zumindest die Pressemitteilung aufhängte, überhaupt nicht bezahlt. Das Geld kommt aus dem Konjunkturprogramm des Bundes. Mit den Mitteln des Konjunkturprogrammes bezahlt die Bahn notwendige Renovierungen an ihren Bahnhöfen. Das ist eine wirklich sachgerechte Verwendung. Natürlich nicht nur auf Sylt.
Dabei hat die Bahn rund eine Milliarde Euro an Gewinn gemacht. Sie wäre in der Lage die Kosten für den Erhalt der Bahnhöfe aus eigenen Mitteln zu bezahlen, wie sie auch den Erhalt der Schienen sicher stellen könnte und müsste. Aber das tut sie nicht. Den schon seit Mehdorn will die Bahn ein Global Player werden. Das ist ja auch logisch. Wenn man im Heimatmarkt wegen mieser Leistung unten durch ist, geht man eben ins Ausland.
2001 wurde der Anfang damit gemacht, dass man Schenker von Stinnes zurückkaufte um ein dickes Bein in den Speditions- und Logistikbereich auf der Straße zu bekommen. Damit einher ging ein Abbau der Güterbahnstandorte und des ortsnahen Rollfuhrverkehrs der von und zur Bahnstation agierte. 2006 kaufte man mal eben für 1,1 Milliarden Dollar das amerikanische Logistikunternehmen BAX Global über Schenker dazu.
Dieser Kauf verbessert die Situation der Bahn in Deutschland nicht. Er war und ist völliger Unsinn. Aber das Geld war weg und mann musste es nicht in Deutschland in den verhassten Bahnbetrieb investieren. Wobei man in einige Prestigeobjekte, die auch zur Pflege der politischen Landschaft dienen, wie Stuttgart 21, ja freudig finanziert. Das ist ähnlich wie bei dem Hauptbahnhof im Niemandsland in Berlin. Dummheiten und überflüssiges dürfen Geld ohne Ende kosten. Das spielt keine Rolle.
Nachdem einige völlig absurde Projekte wie die Kontrolle des slowenischen Mittelmeerhafen Kuper durch die Bahn auch am Widerstand der europäischen Privatbahnen gescheitert sind, ging der Wahnsinn in die nächste Runde. Bundesverkehrsminister Ramsauer und Vorstandsvorsitzender Rüdiger Grube unterzeichneten in katarischen Hauptstadt Doha einen Vertrag über die Gründung einer Qatar Railways Development Company (QRDC) an der die Bahn mit 49 Prozent beteiligt sein wird.
Das dürfte teuer werden, denn dieses Unternehmen soll ungefähr 17 Milliarden Euro investieren von denen die Bahn dann wohl die Hälfte schultern müsste. Bezahlt würde diese Investition wohl durch weitere Verschlechterung der Qualität des deutschen Bahnbetriebes. Ob irgendjemand mal Ramsauer und Grube erklärt hat, dass es so recht keine Güter und Personen gibt, die man von Katar mit der Bahn nach Deutschland befördern könnte. Aber wozu auch. Beide würden es nicht verstehen.
Genauso stolz und sinnlos kauft sich die Bahn bei drei englischen Bahnfirmen ein, die bekannterweise ja alle auf dem Zahnfleisch gehen, weil die Privatisierung in England eben auch zu Streckenstilllegung, mangelnder Wartung und stark gefährdetem Fahrbetrieb geführt hat. Typische Folgen der neoliberalen Gier und deren Verluste möchte sich jetzt die deutsche Bahn aufhalsen.
Durch die Übernahme der privaten britischen Eisenbahngesellschaft Laing Rail, erhält die deutsche Bahn auch jeweils fünfzig Prozent an den Gesellschaften WSMR und Lorol. Zwar sollen die Gesellschaften ihren Hauptsitz in London haben, aber man will sie von den tollen Fachleuten am Potsdamer Platz in Berlin aus führen lassen. Also von denen die das Chaos in Deutschland zu verantworten haben.
Außerdem wird die deutsche Bahn ab April den Betrieb der "Tyne and Wear Metro" im Nordosten Englands und damit den Metro-Verkehr in den Städten Newcastle, Sunderland und der Umgebung übernehmen. Armes England. Aber die sind mit ihrer Bahn ja schon Kummer gewohnt und der Autoindustrie wird es nützen. Der typische englische Zugpendler dürfte angesichts der Qualität der deutschen Bahn schnell aufgeben.
Vielleicht sollte man der deutschen Bahn doch noch mitteilen, dass auch England eine Insel ist, auf der zumindest an einigen Orten mit salzhaltiger Luft zu rechnen ist und das es dort auch gerne regnet. Sie werden die dortige Bahn wohl bei Wetter betreiben müssen, was ihnen in Deutschland ja nicht gelingt.
Warum Milliarden der deutschen Bahn in England verbuddelt werden ist nicht klar. Es gibt vermutlich nur einen Grund. Man wirft das Geld lieber in den englischen Ofen, anstatt die Schienen und Waggons in Deutschland zu erneuern. Eine funktionierende deutsche Bahn, würden sich die Deutschen ja vielleicht nicht mehr wegnehmen lassen. Also muss das Geld im Ausland verbrannt werden.
Es gibt keine Hoffnung mehr für die Bahn solange dieser Vorstand und Aufsichtsrat, das Spitzenmanagement, vor allem aber Politiker wie Ramsauer für die Bahn verantwortlich sind. Die sind nur Garanten für den endgültigen Untergang.
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