Auszug von duckhome
Weltwirtschaftskrise - Irrungen und Wirrungen
von Jochen Hoff
Im Moment ist die Weltwirtschaftskrise offiziell abgesagt. Inoffiziell sehen die Dinge etwas anders aus. Australien, dass eigentlich von der weltweiten Rezession kaum getroffen wurde, weil China seine Dollar schnellstens in Rohstoffe umwandelt, gibt gerade bekannt, dass es 5 Milliarden Euro in seinen Immobilienmarkt stecken will. Wenn man bedenkt, dass Australien gerade erst seinen Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 3,25 Prozent erhöht hat, dann ist das ein seltsames Signal.
Die Zinsen erhöhen und gleichzeitig 238 Euro je Einwohner in ein Programm zu stecken, dass die Immobilienzinsen senken soll, macht nur dann Sinn, wenn man erhebliche Probleme im Immobiliensegment hat, obwohl die Wirtschaft eigentlich noch läuft. Tatsächlich geht es Australien wie der ganzen Welt. Es gibt im Gewerbebereich gravierende Überkapazitäten und wie im Wohnbereich wurde zu teuer gebaut, ohne wirklich Substanz zu schaffen.
In den USA kommt nach Fannie Mae und Freddie Mac nun nach Einschätzung von Edward Pinto vor dem Repräsentantenhaus, der nächste große Schlag bei der Federal Housing Administration (FHA), die Kredite für den Erwerb und Bau von Eigenheimen versichert. Dort peilt Pinto in der ersten Runde einen Fehlbetrag von 54 Milliarden Dollar an. Natürlich widerspricht ihm die FHA, aber da sie ihren Marktanteil innerhalb eines Jahres von 24, auf über 63 Prozent gesteigert hat, sind die Risiken genauso extrem mitgestiegen.
Natürlich gibt es gute Zahlen vom Häusermarkt. Wieder einmal ist beim Preisrutsch eine kurze Pause und sogar ein minimaler Anstieg zu verzeichnen. Diesem Anstieg aber fehlt die Breite. Es scheint sich nur um Käufer zu handeln, die Angst haben, den preislichen Tiefstpunkt zu verpassen. Die steigende Arbeitslosigkeit wird den Druck auf den Markt erhöhen. Der Markt für Gewerbeimmobilien sinkt weiter kräftig.
In Deutschland ist zwar aus Politikermund immer noch Konjunkturerholung, wenn nicht gar Aufschwung angesagt, aber die realen Daten sagen etwas anderes. Die Umsätze im Handwerk sind im 2. Quartal um 6,9 Prozent eingebrochen. Beim Handwerk für den gewerblichen Bedarf waren es sogar 22,1 Prozent, was deutlich macht, wie sehr das Gewerbe selbst Reparaturen schon einschränkt. Dafür stieg die Zahl der Insolvenzen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent, während die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe in August um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr fielen.
Nachdem in den letzten Monaten die Wiederauffüllung von Lagern und die Konjunkturprogramme weltweit den Export aufrecht erhalten hatten, brach der Export im September um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein und bestätigt damit die Befürchtungen. Die Großhandelspreise in Deutschland gaben ebenfalls um 8,1 Prozent nach. Selbst das ZEW Konjunkturbarometer musste sich der Wahrheit stellen und zeigt nun um 1,7 Punkte kleineres Ergebnis wo doch allgemein eine weitere Steigerung erhofft worden war. Die Hoffnung auf eine schnelle Konjunkturbelebung ist damit tot.
Aber was schert die Konjunktur die Banken, die von den Notenbanken ja mit Geld zugeworfen werden. Die Banken in den USA werden in diesem Jahr Rekordboni auszahlen. 140 Milliarden Dollar werden es alleine für die 23 Top-Investmentbanken, Hedgefonds und Broker. Aber auch Deutschland will nicht zurückstehen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende, der HSH-Norbank, Hilmar Kopper - ja der Mr. Peanuts - entwickelt ein neues Vergütungsmodell, das es ihm erlauben soll, auch weiterhin seinem Vorstandsvorsitzenden Dirk Nonnemacher Boni zu bezahlen, die weit über den gesetzlichen Regelungen liegen. Das ist besonders fein, weil ja gerade herausgekommen ist, das Nonnenmacher für den Verlust von 500 Millionen verantwortlich ist, die aus einem anrüchigen Geschäft mit dem Tarnnamen Omega stammen. Der muss einfach belohnt werden. Wäre er eine Verkäuferin würde er entlassen.
Artur P. Schmidt hat sich in seinem Artikel "Tombstone im Bankensektor" mit der weltweiten Situation des Bankenunwesens befasst und weist noch einmal nachdrücklich auf die tickende Peta-Zeitbombe mit einem Derivatevolumen von 800.000 Milliarden USD hin, die jederzeit platzen kann. Sie wird platzen genau wie die Kreditkartenblase und das deutsche Pfandbriefsystem.
Auch wenn die Banken für das dritte Quartal noch einmal Gewinne ausweisen werden, schlagen bei einigen die platzenden Kredite für Gewerbeimmobilien schon gefährlich zu Buche. Citigroup und UBS brauchen wohl eine sehr kreative Buchhaltung um nicht mit roten Zahlen auftreten zu müssen. Aus den Mortgage servicing rights (MSR) in den USA bei denen es um Dienstleistungen rund um die Hypotheken geht, droht ein Abschreibungsbedarf von 55 Milliarden Dollar, da sie um Bilanzkosmetik zu betreiben viel zu hoch bewertet wurden, obwohl sie niemand handelt.
Selbst Deutsche Bank Chef Josef Ackermann gibt zu, dass das Schlimmste wohl erst noch kommen wird und spricht von massiven Kreditausfällen. Aber er wäre nicht Josef Ackermann wenn er sich nicht zu gleich gegen jede Aufsicht wehren würde, die seine komischen Geschäfte beeinträchtigt. Deshalb möchte er keine Steuern und natürlich auch keine starke Bankenaufsicht. So wie es für ihn und seine Bank gelaufen ist, hat er damit natürlich recht. Er lässt den Steuerzahler bluten und ihn durch seinen Kettenhund Walter auch noch beschimpfen.
Allerdings dürfte Ackermann wohl bald Geschichte sein, denn schon bald werden seine Bilanzen zeigen, dass der Kaiser nicht nur nackt sondern bereits ein Skelett ist. Allerdings hofft er wohl, dass es vorher zu großen Knall beim Dollar kommt, der auch den Euro mit in den Abgrund reißen könnte. Diese Sorge treibt ja auch China, Russland, Japan Frankreich und die Golfstaaten, die nur allzu gerne eine eigene Ersatzwährung gegen Dollar aufstellen würden und wohl auch eifrig am verhandeln sind.
In den USA gibt es bei der FED zwei unterschiedliche Richtungen. Die eine möchte die Zinsen erhöhen um den Dollar zu retten, die anderen wollen versuchen die Schulden wegzuinflationieren und haben momentan die Macht. Sollte ihr Versuch misslingen, wird eben der Amero wieder aus der Schublade geholt und die Dollarschulden erledigen sich automatisch.
Auf den Devisenmärkten geht die Angst um. Es gibt einfach viel zu viel Dollar und dies bei niedrigen Zinsen. Da ist es kein Wunder wenn alle Wert sich im billigen Dollar verschuldet um mittels "Carry Trades", durch Kreditaufnahme in den USA, das Geld in Hochzinsländern anzulegen. Noch sind die Anleger verdächtig ruhig, aber es könnte die Ruhe vor dem Run sein. Kommt es zu einer Stampede ist der Dollar verloren und vermutlich würde der Euro mitgerissen.
China hätte in diesem Fall alles verloren was es sich in den letzten Jahren erarbeitet hat und würde vermutlich zerfallen. Auch wenn der Traum einer neuen goldgestützten Währung so golden und sicher er auch erscheint, ist keine Lösung. Eine Lösung sind nur strenge Regeln auf den Finanzmärkten, die verhindern, dass sich solche Blasen bilden können. Niemand braucht Derrivate. Sie sind reines Glücksspiel.
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Auszug von schall und rauch
Niederländische Bank schliesst nach Kundenansturm
von Freeman
Die niederländische Zentralbank musste gestern Montag die in Schwierigkeiten geratene DSB Bank NV übernehmen, nachdem Kunden in einem Ansturm ihre Guthaben abgezogen haben. Jetzt kommen die Kunden nicht mehr an ihr Geld, die DSB eigenen Bargeldautomaten funktionieren nicht mehr und die Kunden dürfen nur noch 250 Euro pro Tag bei anderen Banken beziehen. Die in Privatbesitz befindliche Bank soll 8 Milliarden Euro an Vermögensbeständen haben.
Diese staatliche Übernahme ist kein gutes Zeichen über den Zustand des niederländischen Bankensystem, nachdem bereits die grosse Fortis Bank verstaatlicht werden musste und ein Milliarden Rettungspaket für die ING Group NV und der Versicherung Aegon NV notwendig war.
Die eilige Übernahme der DSB mit 1,3 Millionen Kunden ergab sich, da am Wochenende die Verhandlungen zwischen der Regierung und den fünf niederländischen Grossbanken über eine Rettung scheiterten.
Die Zentralbank erhielt auf Eilantrag die Genehmigung um die Bank unter der Verwaltung eines Konkursrichters zu stellen. Sie beschrieb die Liquidität der DSB als "unter ernsthaften Druck". Der Zentralbankpräsident Nout Wellink erzählte Reportern, 600 Millionen Euro oder 17 Prozent der Guthaben wären seit dem 1. Oktober von Kunden abgezogen worden.
Die DSB wurde bereits von der Finanzaufsichtsbehörde seit Jahresbeginn untersucht, da die Bank angeblich Hypothekenkunden zu teuren Versicherungspolicen als Sicherheit drängte. Im August wurde die Bank wegen dem Verkauf dieser Produkte mit einer Strafe von 120'000 Euro belegt. Die Bank entschuldigte sich für diese nötigende Vorgehensweise und versprach Lösungen für ihre Kunden. Aber eine Gruppe von Kunden die sich "Hypothekengeschädigte" nennt riet Kunden ihr Geld von der DSB abzuheben.
Der Gründer und Inhaber der Bank Dirk Scheringa, eine ehemaliger Polizist der mittlerweile den Fussballklub AZ Alkmaar besitzt sagte, die Übernahme wäre "unverständlich und ungerechtfertigt." Er wird jetzt mit dem Konkursrichter eine Lösung für die Kunden und für die 2'000 Angestellten der Bank suchen.
Der niederländische Finanzminister Wouter Bos sagte, es wird eine unabhängige Untersuchung stattfinden, über wie die Bank geführt wurde und welche Rolle die Bankenaufsicht dabei spielte.
"In dieser Untersuchung werden wir auch die operationelle Funktion der jetzigen und ehemaligen Manager anschauen," einschliesslich die des ehemaligen obersten Finanzchefs der DSB Bank, Gerrit Zalm, sagte er.
Zalm ist der ehemalige niederländische Finanzminister und ist aktuell der Chef der staalichen ABN Amro NV Bank.
Am Wochenende scheiterten die Gespräche zwischen dem Finanzministerium und den fünf Banken ING, SNS Reaal, Rabobank, ABN Amro and Fortis Bank wegen "einiger Ungewissheit über die Forderungen gegenüber der DSB Bank," sagte die Zentralbank. Heisst, sie wissen nicht wie gross das finanzielle Loch ist welches sie übernehmen müssten.
Obwohl die DSB Kunden jetzt nicht an ihr Geld kommen, können sie wenigstens mit ihrer Bankkarte im beschränkten Umfang von anderen Banken 250 Euro pro Tag holen. Laut Einlagensicherungsfonds der niederländischen Banken sind die Kundenguthaben bis 100'000 Euro gesichert. Es ist aber unbekannt wie lange es dauert bis die Kunden Zugriff auf ihr gesamtes Geld bekommen, das liegt jetzt am Zwangsverwalter.
Die ABN Amro sagte, ihre Forderungen an die DSB Bank könnte erhebliche Verluste für sie bedeuten, ohne weitere Details zu nennen. Die ING sagte sie erwarte nur geringe Schäden, ausser indirekte durch die Haftung für den Garantierplan der Guthaben. Die Gesamtkosten für alle beteiligten Banken welche die Einlagen sichern ist noch völlig ungewiss. (WSJ)
Kommentar: Interessant ist wie die deutschen Medien praktisch nichts darüber berichten, obwohl die DSB Bank in Düsseldorf eine Niederlassungen hat und damit auch deutsche Kunden möglicherweise von dieser Pleite betroffen sind. Aber wir wissen ja, die Medien haben den Auftrag keine schlechten Nachrichten über die prekäre Lage des Finanzsystems zu melden, sonst würden ja alle ihr Geld abziehen.
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Auszug von junge welt
Finanzkrise: Allein in Erfurt
Erfurt. Schneller als erwartet hat die Insolvenz der niederländischen DSB-Bank das firmeneigene Eisschnellaufteam erreicht. Die Sportler um die dreimalige Olympiasiegerin Marianne Timmer müssen das Trainingslager in Erfurt aus der eigenen Tasche bezahlen. »Unsere Firmen-Kreditkarten und -Tankpässe sind gesperrt. Wir haben Geld eingesammelt, um die Eismiete zu bezahlen und um die Rückreise mit dem Auto zu finanzieren«, sagte DSB-Chefcoach Jac Orie im niederländischen Radio. (sid/jW)