Auszug von duckhome
Weltwirtschaftskrise - Deflation, Inflation Bad Banks und Quelle
von Jochen Hoff
Quelle ist, war, wird vielleicht gerettet werden. Zunächst aber gibt es wieder einmal eine Hängepartie. Es ist trotz 50 Millionen Kredit kein Geld für den Katalog da. Das verwundert denn doch ein wenig. Karstadt meldet, dass es überleben kann und Gewinn macht, sogar seine Mieten wieder bezahlt und für Quelle ist kein Geld da?
Kann es vielleicht sein, dass das von Quelle in Richtung Arcandor gezogene Geld für die Mietzahlungen an die Objekte des Oppenheim/Esch Fonds fließen, damit Frau Schickedanz und Herr Middelhoff wenigstens ihre Dividenden aus überzogenen Mieten erhalten. Es kann doch nicht wirklich ein Problem sein, bei zugesagten Krediten die Kataloge bezahlen zu können.
Die Valovis-Bank, die dem Pensionsfond der Arcandor Mitarbeiter gehört, hatte Quelle am Tag der Insolvenz von allen Einnahmen abgeschnitten und lässt bis heute keinen Geldfluss in Richtung Quelle zu. Damit kann natürlich kein Unternehmen überleben. Vermutlich wird die Valovis-Bank erst dann wieder Geld an Quelle weiterleiten, wenn alle Forderungen beglichen sind.
Ob Quelle so lange überleben kann, darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall sollte sich das Quelle Management aber sofort von dieser Bank trennen. Sollen die ihre Forderungen doch abschreiben. Aber vermutlich handelt es sich um ein abgekartetes Spiel, bei dem die 50 Millionen von Bund und Ländern nur als Mitgift für die Besitzer von Arcandor durchgereicht werden sollten.
Das wäre aber äußert peinlich wenn sich noch vor der Bundestagswahl herausstellen sollte, das Seehofer und Merkel von den Gesellschaftern von Sal. Oppenheim und der Schickedanz Gruppe nur abgezockt wurden. Das könnte sich glatt auf das Wahlergebnis auswirken. Aber vermutlich wird es bald noch mehr Geld geben und der Katalog wird irgendwie fertig. Der Steuerzahler zahlt schon. Den fragt ja auch keiner.
Nun haben wir auch ein Gesetz über Bad Banks. Schlechte Banken hatten wir ja vorher schon. Aber nun gibt es die Dinger auch hochoffiziell. Das Ziel ist einfach. Die Bank lagert ihre Wertpapiere ohne Wert an eine eigene Bad Bank aus, wo sie zum Buchwert weitergeführt werden. Deshalb haben die Banken ja auch so vorsichtig abgeschrieben, weil sie es dann in der Bad Bank irgendwann gefahrlos tun dürfen. Bis dahin erhalten sie für den Wert, den sie selbst ihren wertlosen Wertpapieren zubilligen sogar noch Geld vom Steuerzahler.
Damit der deutsche Michel nicht vor Wut aufschreit oder die Regierung stürzt, wird natürlich versichert, dass auf den Steuerzahler keine Lasten zukommen. Das ganze finanziert sich also von selbst und wer es glaubt wird selig. Aber selbst Bundesfinanzminister Steinbrück, der letztendlich für den Unfug verantwortlich zeichnet, hat seine Zweifel.
Wenn die Banken auch nach den Bad Banks keine Kredite an die Wirtschaft ausreichen, dann will er andere Maßnahmen treffen, die er aber nicht näher bezeichnet. Vermutlich wird er dann öffentlich weinen. Aber ob das Weinen eines Oppositionspolitikers die Banken wirklich beeindruckt, bleibt offen. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, freut sich über die 200 Milliarden, die den Banken so geschenkt werden und grinst fröhlich in die Runde. Aber auch er hat noch einige Sorgen. Nach der Wahl wird er die Hilfen für die Armen senken lassen, damit die, die Bankster nicht weiter belastet werden.
Auch Franz-Christoph Zeitler, der in der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist, hat Sorgen. Er sorgt sich darum, dass die Ratingagenturen endlich ihre Pflicht tun könnten, und all die wertlosen Papierchen auf denen Banken und Anleger so herumsitzen, als den Junk bewerten könnten, der sie sind. Sobald man die Bonitität der Herausgeber von Papieren mit dem Papier zusammen bewertet, sieht die Welt ganz anders aus als bisher und die Blase könnte sehr schnell platzen. Angst hat Zeitler vor allem um den deutschen Pfandbrief dessen Krise und Schwächen ja schon seit vorigem Jahr ein Thema auf Duckhome sind.
Zwei Zahlen sind allerdings noch wichtiger. Zur Zeit soll 12 mal soviel Geld im Umlauf sein, wie es Waren und Dienstleistungen gibt und die Menge des Geldes das noch als Crashkapital in Blasen umherirrt soll 18.200 Milliarden Euro betragen. Diese beiden Zahlen tauchen in ähnlicher Form immer wieder auf und dürften wohl zutreffend sein.
Das bedeutet im Klartext, dass das weltweite Bankensystem pleite ist und dass die IKB wieder einmal mit 7 Milliarden Euro gestützt werden muss, ist dabei nur ein Indikator. Auch wenn Warren Buffet jetzt von finanziellen Massenvernichtungswaffen der angelsächsischen Hochfinanz aus London und New York spricht und über einen Krieg gegen Europa und China spricht, so trifft das nicht den Kern der Dinge.
Das den 54 Billarden Dollar an realwirtschaftlichen Werten eine Geldmenge von 600 Billiarden gegenüber steht, ist keine kriegerische Entwicklung, sondern eine Folge der Gier. Da hat niemand mehr gefragt, welche realen Werte hinter den Optionen, Futures, Swaps und sonstigen Derivaten steckt und selbstverständlich waren und sind auch Derrivate auf Derrivate möglich.
Selbstverständlich wäre es einfach, sämtlichen Derrivatehandel ab einem bestimmten Zeitpunkt zu verbieten. Der 1. November 2009 wäre ein schönes Datum. Bis dahin müssten alle Derivate glatt gestellt werden. Vermutlich würden sich damit 100 Billiarden in Luft auflösen und es wäre nur noch zehn mal mehr Geld als Waren im Umlauf.
Natürlich wäre dann auch ein Großteil der Banken und institutionellen Anleger in großen Schwierigkeiten, die sich von den Schwierigkeiten die sie jetzt haben, aber deutlich dadurch unterschieden, dass sie in den Bilanzen sichtbar wären. Bei großer Offenheit, wäre auch große und langfristige Hilfe möglich.
Wird aber wie bisher weitergemacht, so erleben wir eine Deflation. Allerdings wird es eine seltsame Art der Deflation sein. Verbilligen werden sich sogenannte Kann-Güter, die man kaufen kann, aber eben nicht wirklich braucht. Bei diesen wird es zu einem rasanten Preisverfall kommen, der schlussendlich zum Konkurs von vielen Anbietern führen wird.
Bei den Muss-Gütern, wie Nahrung, einfache Kleidung und Energie werden wir steigende Preise und eine rasante Inflation erleben. Dazu gibt es eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Die USA gibt zur Zeit eine Arbeitslosigkeit von 9,5 Prozent zu, bei einer seriösen Rechenweise liegen sie schon über 20 Prozent. Auch Deutschland und die anderen Regierungen verstecken die wahren Arbeitslosenzahlen in einem Haufen von statistischen Tricks und Mogeleien. Für Deutschland ist zur Zeit von 12,5 Prozent Arbeitslosigkeit auszugehen. Tendenz stark steigend.
Verschärft wird diese Situation durch einen weltweit steigenden Protektionismus. WTO-Generaldirektor Pascal Lamy spricht in seinem dritten Protektionismusbericht davon, das alleine seit März 2009 83 neue Handelsbeschränkungen in Kraft getreten sind. Diese Situation wird sich bei steigenden Arbeitslosenzahlen noch deutlich erhöhen.
Alles in allem ist festzustellen, dass es noch viele Möglichkeiten zum Handeln gibt, diese aber von einer gekauften oder nicht interessierten Politik einfach liegen gelassen werden. In Deutschland haben die Menschen die Chance die Befürworter des verantwortungslosen Raubtierkapitalismus einfach nicht mehr zu wählen. CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne haben den Raubtierkapitalismus freigelassen und alle Zäune niedergerissen. Dafür müssen sie mit Abwahl bestraft werden.
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