Auszug von broeckers blog
Die Zeitbombe
von Mathias Bröckers

Die Grafik macht auf einen Blick klar, um was es bei der derzeitigen Finanzkrise eigentlich geht: es geht NICHT um die Realwirtschaft - die Produktion und den Handel mit Gütern - es geht NICHT um die Börse als Instrument der Kapitalbeschaffung für die realwirtschaftliche Produktion, es geht auch NICHT um die Ersparnisse des kleinen Mannes - auch wenn Realwirtschaft, Börse und private Sparkonten von der sich abzeichnenden Katatstrophe schwerst getroffen werden. Die Ursache der Krise liegt in jenem Überbau der Realwirtschaft, in dessen Wett-Casino eine gigantische Blase von Derivaten enstanden ist, die mittlerweile zehnmal so groß ist wie das auf der ganzen Welt real erwirtschaftete Bruttosozialprodukt. Es sind also nicht die 2 Millionen Häuslebauer,- und käufer in den USA, die die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen weil sie ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können - es sind die um ein Vielfaches höher liegenden Wetten, die auf den Ausgang dieses Hypothekenrisikos geschlossen wurden und die jetzt geplatzt sind. Die Freunde der Privatisierung, Deregulierung und Globalisierung, die dieses unkontrollierte Derivat-Casino in den vergangen 20 Jahren zuerst erschaffen und dann zu einem Monster hochgepeppelt haben, können sich (noch) die Hände reiben – das Monster ist zu groß, als dass man es jetzt einfach ins Nichts stürzen lassen könnte, Deshalb müssen Regierungen und Zentralbanken, ob sie wollen oder nicht, jetzt einspringen und “Liquidität” in den Markt pumpen, d.h. Geld aus dem Nichts erschaffen. Letzte Woche produzierte die Federal Reserve so an einem einzigen Tag 240 Milliarden Dollar und verteilte sie an Banken weltweit, die daraus dann ca. 2,4 Billionen neuer “Kredite” schaffen, um weiter so tun zu können, als ob in Sachen Geld alles in Ordnung sei. Doch das ist es natürlich nicht – und wie an der massenvernichtenden Bombe oben zu sehen sind solche “Hilfsmaßnahmen” nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie bringen allenfalls einen kleinen Zeitgewinn – bis die Präsidentenwahl erledigt und ein neuer Krieg im Mittleren Osten vom Zaum gebrochen ist. Denn wo kämen wir hin, wenn die Zocker und Profitgeier des Casinos ein Dauerthema bleiben, immer mehr Menschen diesen legalisierten Betrug durchschauen und nach wirklich geeigneten Maßnahmen (Tobinsteuer, Spekulationssteuer, Bankenkontrolle, Geldreform) schreien würden. Dann (und nur dann) ginge es den 10%, die über 85% allen Geldes gebieten (siehe Eintrag von gestern), wirklich ans Eingemachte, doch das werden sie mit allen Mitteln zu verhindern suchen.
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Auszug von egon w kreutzer
Harte Landung
von Egon W. Kreutzer
Die Zunft der Spekulanten hat den freien Fall der Finanzwirtschaft eingeleitet.
Der harte Aufschlag auf dem Boden der Tatsachen steht unmittelbar bevor.
Was Bush, Bernanke und Paulson jüngst beschlossen, um die US-Finanzwirtschaft zu retten, ist nicht geeignet, das Problem zu lösen.
Der finale Zusammenbruch wird für eine kleine Weile hinausgezögert, aber der Aufschlag fällt dafür um so härter aus, weil jeder Dollar, der zur Stützung des maroden Systems in die Hand genommen wird, nur noch einen zusätzlichen Gewinn für die Profiteure und eine zusätzliche Last für die Verlierer des Systems darstellt.
Die ersten drei Sätze, die ich der eigentlichen Auseinandersetzung mit der Thematik und ihrer öffentlichen Kommentierung vorangestellt habe, sollten in einer Art Schnellzusammenfassung den Ernst der Lage verdeutlichen.
Dass ich mich am Samstag, den 20. September 2008 an die Arbeit mache, um den Paukenschlag für Donnerstag den 25. September um fast eine ganze Woche vorwegzunehmen, kommt nicht von ungefähr. Die Sache ist eilbedürftig - und niemand weiß, was an diesem Wochenende in welchem Hinterzimmer ausgeheckt werden wird, um es dem erstaunten Publikum am Montag in aller Unschuld zu präsentieren.
Die Nachricht vom Freitag, der US-Präsident und sein Finanzminister hätten gemeinsam mit dem Chef der US-Notenbank einen Rettungsplan ausgearbeitet, der besagt, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika beabsichtigt, mindestens 350 - vermutlich aber sogar mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar auszugeben, um die US-Finanzindustrie von ihren Risiken zu befreien, wurde an den Börsen mit steigenden Kursen belohnt.
Es ist allerdings naiv und kurzsichtig, diese Kurssteigerungen als Indiz für das Ende der Krise zu betrachten.
Einerseits, weil es unter anderem unsinnig steigende Kurse waren, die zu der Schwächung der Statik des jetzt zusammenbrechenden Finanzsystems maßgeblich beigetragen haben, und andererseits, weil etliche 100 Milliarden Dollar, die von der US-Administration in den Markt geworfen werden, gar nicht ohne inflationäre Wirkungen auf die Börsenkurse bleiben können. Steigende Kurse auf breiter Front zeigen eben nicht einen Wertzuwachs der Aktien an - sondern den Wertverlust des Geldes, der durch die "inflationäre Aufblähung" der Geldmenge in diesem Marktsegment hervorgerufen wird.
Mit den jüngsten Ereignissen und Entscheidungen in den USA ist nun auch das Drehbuch für den Fortgang der Krise erkennbar geworden - und es bleibt gerade noch ein Augenblick Zeit, sich darauf einzustellen.
Die USA werden - im trauten Einvernehmen zwischen Regierung, Notenbank und den großen Kapitaleigentümern - den Dollar ins Bodenlose abstürzen lassen. Eine andere Variante ist kaum noch vorstellbar.
Am Ende des Prozesses steht eine reale Abwertung der einstigen Welt-Leitwährung im Verhältnis 20 : 1 oder schlechter gegenüber Euro, Yen und Yuan.
Die Begründung für diese Prognose ist einfach:
Wäre es den USA an der Stabilität ihrer Währung gelegen, es dürfte kein einziger zusätzlicher Dollar in die Welt gesetzt werden, stattdesse müsste die FED die Zinsen massiv anheben und versuchen, damit für ausländisches Kapital lukrativ zu werden.
Nun geschieht das genaue Gegenteil.
Die komplette "Rettungsaktion" ist doch nichts, als ein grandioses Verschieben der Haftung für die bestehenden und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eintretenden Risiken von den Unternehmen der Privatwirtschaft hin zum Staat.
Eine vom Staat aufgekaufte Bank ist dadurch um keinen Deut besser, eine vom Staat übernommene Versicherung ist dadurch um keinen Cent zahlungsfähiger geworden.
Das Geld, das aufgrund der vorangegangenen spekulativen Geschäfte fehlt, fehlt doch weiterhin. Der sowieso schon hochverschuldete amerikanische Staat verschuldet sich hemmungslos weiter und ermöglicht mit dieser Verschuldung die Herstellung weiterer Hunderter Milliarden von Dollars, die jetzt jenen Gläubigern zufließen, die ganz massiv darauf hingearbeitet haben und weiter darauf hinarbeiten, den Konkurs dieser Banken und Versicherungen herbeizuführen.
Die USA setzen vermutlich mehr als 1.000 Milliarden Dollar zusätzlich in die Welt und bezahlen mit diesen neuen Schulden des Staates die alten Schulden der Banken und Versicherungen. Diesen 1.000 Milliarden Dollar steht aber keinerlei zusätzliche reale Wirtschaftsleistung gegenüber, die Auswirkungen der Krise im Bereich der Realwirtschaft führen sogar zu einem Rückgang der realen Leistung.
Aus bisher rund 7 Billionen Staatschulden werden 8 Billionen - ohne dass der Staat dafür auch nur den geringsten Gegenwert erhalten hätte.
Die Empfänger des Geldsegens werden aber versuchen, auch mit dieser neuen Billion, die ihnen in den Schoß fällt, schnellstmöglich weltweit an Werten aufzukaufen, was irgendwo für Geld noch zu haben ist.
Die spannenden Fragen lauten:
a) wie lange wird es dauern, bis die 1.000 Milliarden Dollar da angekommen sind, wo man gierig darauf wartet? Und,
b) was wird dann noch an Sachwerten zum Verkauf stehen?
Beides ist schwierig abzuschätzen.
Wenn eine Versicherung, statt in Konkurs zu gehen, weiterhin Leistungen an "den kleinen Mann" erbringt, kann es durchaus länger als 12 Monate dauern, bis die Versicherungsleistung im Zuge mehrerer Transaktionen schließlich vollständig als Gewinn an die Anteilseigner der "Wirtschaft" ausgeschüttet werden.
Erbringt die gleiche Versicherung Leistungen an die Finanzbranche, z.B. zur Absicherung von Kreditrisiken, dann dauert der gleiche Prozess auf diesem Weg nur Tage - und bei der Rettung von Banken ist die Geschwindigkeit des Geldflusses von ähnlichen Gegebenheiten abhängig. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass der überwiegende Teil der "Rettungsmilliarden" auf dem kurzen Weg, also über eine Umlaufzeit von nur wenigen Tagen, da ankommen wird, wo es nach dem Plan der großen Spieler ankommen soll.
(Siehe hierzu auch die Grafik aus PaD 27 /2008)
Die zweite Frage ist etwas diffiziler.
Sachwerte - vom Gold- oder Silberbarren, bis zur Kläranlage in Kleinkleckersdorf, für die eine Privat-Public-Partnership angestrebt wird - werden ja, abhängig vom Galopp der Inflation, nominal immer mehr wert. Dies ist eine Form der Rückkoppelung, die bei funktionierenden Märkten den vollständigen Ausverkauf aller Sachwerte verhindern könnte. Die Anleger müssen also schnell sein - um der Inflation zuvorzukommen. Das heißt: Sie werden nicht die wenigen Tage warten, bis das Regierungsgeld angekommen ist, sondern die letzten Noteinkäufe schon wieder mit Krediten vorfinanzieren - und, weil die Banken vom Staat gerettet wurden, werden sie von eben diesen Banken auch wieder Kredite erhalten können, was dem kapitalistischen System an den Börsen zu einer letzten, wunderbaren Blüte verhelfen wird. Eine finale uferlose Geldmengenvermehrung - und anschließend die Abwertung aller auf Dollar lautenden Forderungen als Befreiungsschlag der USA.
Milliarden und Abermilliarden von Dollar auf der Suche nach der letzten Anlage werden die Börsenkurse ein letztes Mal in diesem großen Zyklus explodieren lassen - und der Kleinanleger, der zum Schluss, geblendet von den vielen Nullen, seine letzte Aktie verkauft, wird dafür einen Preis erzielen, der noch vor einem Jahr absolut außerhalb des Vorstellbaren lag.
Sein Pech ist, dass er schon am nächsten Tag feststellen wird, dass sein Geld über Nacht vollständig wertlos geworden ist.
Ab hier möchte ich mich gedanklich der Zeit nach dem großen Crash von 2008 zuwenden. Dies wird mich auch noch in einigen weiteren Paukenschlägen der nahen Zukunft beschäftigen.
Der einzige Trost:
Wir alle werden in der Sekunde nach dem Crash noch genausoviel Geld haben, wie in der Sekunde zuvor.
Allerdings werden wir uns am Tag nach dem Crash vermutlich kaum etwas dafür kaufen können, weil die Herren der Supermärkte ihre Läden wegen Inventur geschlossen halten werden.
Auch die allermeisten Tankstellen werden geschlossen bleiben und weder Benzin noch Diesel herausrücken - noch nicht einmal mehr Druckluft für die Reifen.
Der öffentliche Nahverkehr wird den Betrieb aufrechthalten bis Treibstoff- und Energiemangel zu Einschränkungen und schließlich zur Einstellung des Betriebs zwingen.
Ob die Elektrizitätsversorger Strom liefern werden, hängt davon ab, ob ihre Vorstände davon ausgehen, dass die Krise relativ bald beendet werden kann - dann werden sie die Produktion und Lieferung von Strom nicht unterbrechen - oder ob die Herren Vorstände davon ausgehen werden, dass es lange dauern könnte - dann werden sie ein Kraftwerk nach dem anderen herunterfahren und damit nicht aufhören, bevor staatliche Zwangsmaßnahmen angedroht werden.
Die elektronischen Kommunikationsmedien - vom Telefon bis zu SMS und E-Mail - werden nur dem offen stehen, der die notwendige eigene Stromversorgung herstellen kann - und denken Sie daran: Auch der größte Akku muss irgendwann einmal geladen werden.
Wenn der Einzelhandel geschlossen bleibt, werden auch die Zulieferer die Produktion zurückfahren und mit Ausbleiben der Energie einstellen müssen. Die Mitarbeiter stehen auf der Straße und niemand zahlt Löhne und Gehälter.
Weil die Krise weltweit zuschlägt, bricht auch die sonst so robuste deutsche Exportwirtschaft innerhalb von Tagen zusammen. Niemand wird sich bemühen, Exportkontrakte mit Lieferungen zu erfüllen, wenn nicht feststeht, ob die vereinbarte Bezahlung - ob in Euro oder Dollar - auch nur annhähernd den Wert haben wird, wie die erbrachte Leistung.
Die Fabriken werden bis auf weiteres geschlossen.
Weil auch die Beschäftigten der Wachdienste nicht mehr zum Dienst erscheinen, rückt da und dort, wo es um besonders wertvolle Güter geht, eine Kompanie Bundeswehr zum Objektschutz aus.
Nach einer Woche ist über die ersten Plünderungen zu berichten.
Mehr in den kommenden Wochen.
Als Service, für diejenigen Paukenschlagleser, die gerne noch einmal die Vorgeschichte nachvollziehen möchten, hier eine Art historischer Abriss über die wichtigsten Aufsätze der Vergangenheit zum Thema:
Vorläufer
3 /2007 Internationaler Wettbewerb
14 /2007 Einstürzende Luftschlösser
20 /2007 Lügenmärchen für Kinder, Enkel und die zukünftigen Generationen
25 /2007 Das Ende ist nahe
28 /2007 Nullnummer 2011
29 /2007 Schuldenfreies Düsseldorf
Heiße Phase
33 /2007 Das Beben der Märkte
42 /2007 Beunruhigendes
(Beben Teil 2)
48 /2007 Die Banken-, Dollar-, Airbus-Krise
3 /2008 Estate - real estate - Hypo real estate
4 /2008 Nur ein Börsencrash?
12 /2008 Die Welle
14 /2008 Über den Unterschied zwischen Privatisierung und
15 /2008 Spurlos verschwunden - 945 Mrd. Dollar
21 /2008 Verfassungsgut Kapitalismus
26 /2008 Gesetz zur Förderung gewerblicher Diebstahls-, Raub- und Erpressungsunternehmungen
27 /2008 Nun spart mal schön!
33 /2008 Toll, doller, Dollar
und für alle, die das mit dem Geld jetzt aber doch endlich verstehen wollen, habe ich schon vor einer ganzen Weile eine ganzes Buch dazu geschrieben.
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III - Über das Geld.
Das finden Sie im EWK-Verlag unter Sachbuch Wirtschaft.
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Auszug von radio utopie
Heute Nacht Telefon-Konferenz der G7 Finanzminister
von Daniel Neun
Wall Street Experte: US-Finanzminister Paulson wird “Diktator des US Finanzsystems” / Nobelpreisträger Stiglitz: Schaden für US Bürger 2 Billionen Dollar
Washington: Heute Nacht findet eine Telefonkonferenz der Finanzminister aus den USA (Henry Paulson), Grossbritannien (Alistair Darling), Deutschland (Peer Steinbrück), Italien (Tommaso Padoa-Schioppa), Frankreich (Christine Lagarde), Kanada (Jim Flaherty) und Japan (Fukushiro Nukaga) zur aktuellen Notlage des US-Bankensystems statt.
US-Finanzminister Paulson versuchte derweil heute in 4 TV-Interviews gegenüber grossen Konzernmedien die anderen G7-Staaten “sehr aggressiv” zur Übernahme der weltweiten Bankenschulden zu drängen. Faktisch würde dies die Ausrufung des Staatskapitalismus und einer Kriegswirtschaft im gesamten Westen gleichkommen.
Kurz nach der Meldung über die Telefonkonferenz, über welche das deutsche “Handelsblatt” vor einigen Stunden berichtete, tauchte in Google News eine Meldung der Nachrichtenagentur “Reuters” mit dem Datum vom 18.September und dem Vermerk “(This story has no dateline to protect the source’s anonymity)” auf. In dieser wurde ausdrücklich behauptet, es gäbe keinen Sondergipfel der G7-Staaten vor Oktober. Allerdings war nicht die Rede von einer Telefonkonferenz der Finanzminister.
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisierte in einem heute erschienenen Interview das Verhalten der US-Regierung während der Finanzkrise scharf. Er erwarte durch die Verstaatlichung mehrerer Banken und Finanzkonglomerate einen Schaden für die US-Bürger in Höhe von 2 Billionen Dollar, wobei die Kosten jetzt schon bei 900 Milliarden Dollar lägen, so Stieglitz.
Die Krise definierte er als “das Ende eines desaströsen Geschäftsmodells” und “das Ende der Ideologie, dass freie, deregulierte Märkte immer funktionieren”, sagte Stiglitz. Amerikas Finanzsystem sowie die Regierung hätten ihre Glaubwürdigkeit verloren, ein “Mangel an Regulierung” die Krise ausgelöst. Stiglitz zog auch einen Zusammenhang mit dem laufenden Weltkrieg der USA.
“Dazu kommen die Steuersenkungen der vergangenen Jahre und die Kosten für den Krieg im Irak und Afghanistan - das alles hat die Wirtschaft geschwächt und die Notenbank Fed ermuntert, eine Politik des billigen Geldes zu betreiben.”
Derweil stiess der ehemalige Direktor einer der grössten Banken der Welt (Goldman Sachs), der jetzige US-Finanzminster Henry Paulson, ins Horn zur Rettung der transnationalen Banken, deren Werte sich in den letzten Tagen bis zu seinem Eingreifen begonnen hatten in Luft aufzulösen.
“Wir haben ein globales Finanzsystem und wir reden sehr aggressiv mit anderen Ländern rund um die Welt und ermutigen sie dazu ähnliche Dinge zu tun, und ich glaube eine Reihe von ihnen wird das auch”.
Henry Paulson hatte verkündet, 700 Milliarden Dollar der US-Amerikaner zu nehmen und damit die Schulden der Banken zu bezahlen, um diese vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Der Clou seiner Massnahmen, welche ihn laut Wall Street Historiker John Steele Gordon “in Wirklichkeit zum Diktator des Amerikanischen Finanzsystems” machen würden, liegt aber in den strukturellen Massnahmen Paulsons.
Banken werden verstaatlicht, eine Pleite ist nicht mehr möglich, da der Staat am Ende immer alles bezahlt. Das ist nicht nur “das Ende der Wall Street wie wir sie kennen” (so der Finanzökonom James Parrot), das ist auch die faktische Haftungsübernahme des gesamten Allgemeinwesens und Staates USA mit 300 Millionen Menschen für die Kosten eines Weltkrieges, welcher unter bis heute nie geklärten Umständen am 11.September 2001 begann.
Desweiteren bedeuten die Massnahmen Paulsons die staatliche Tilgung der Schulden von Banken (sowie der mit ihnen untrennbar verflochtenen Konzerne, Handelskammern und Energiemonopole), welche seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1990 ungehemmt weltweit operiert haben. Gewinne und Profite sollen jedoch weiter uneingeschränkt bei den Kapitalisten bleiben, welche wiederum jede Verantwortung für die Gesellschaften ablehnen, welche sie finanzieren.
Zuletzt gab es eine solche Form des Staatskapitalismus (”State Capitalism”) während der zurückliegenden zwei Weltkriege. Offensichtlich muss nun das Imperium USA seine Wirtschaftsordnung auf Kriegswirtschaft umstellen und versucht möglichst viele Staaten seiner Hegemonie mit hineinzuziehen.
Der Abbau der von der US-Verfassung garantierten Bürgerrechte, der massive Ausbau des Polizei- und Überwachungsstaates sowie die massive Verarmung ganze Bevölkerungsteile bei gleichzeitigem Anwachsen des Superreichtums ist in diesem Zusammenhang zu sehen.
Die Parallelen zur Entwicklung der Berliner Republik seit der Kanzlerschaft Gerhard Schröders und Angela Merkels sind unverkennbar.
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